Sport : Die verpasste Chance

Jörg Jaksche stürzt und fehlt bei der Tour

Mathias Klappenbach

Berlin - Bei der Tour de France im vergangenen Jahr sorgte er für Aufsehen, als er nicht weiterfuhr. Jörg Jaksche stieg vom Rad und betreute seinen am Straßenrand liegenden Mannschaftskapitän Joseba Beloki, der bei einer Abfahrt schwer gestürzt war. Lance Armstrong konnte bei Tempo 70 gerade noch ausweichen und nach einem Ausflug über einen Acker weiterfahren. Jaksche aber blieb mehrere Minuten bei Beloki und verpasste deshalb einen Platz unter den ersten zehn im Gesamtklassement der Tour, er kam in Paris als zweitbester Deutscher auf Rang 17 an.

In diesem Jahr war ihm eine noch bessere Platzierung zugetraut worden, aber diesmal ist Jaksche selbst gestürzt. Der 27-Jährige hat sich am Dienstag bei der letzten gemeinsamen Trainingsfahrt seines Teams CSC vor dem Tourstart am Samstag den Ellenbogen gebrochen. Zum zweiten Mal in diesem Jahr. „Ich bin wieder auf die gleiche Stelle gefallen wie am Tag vor dem Amstel Gold Race“, sagte Jaksche.

Im April war er, ebenfalls im Abschlusstraining, wenige Meter vor dem Mannschaftshotel gestürzt. Nach einer Woche saß er schon wieder auf dem Rad und fuhr das Weltcup-Rennen Lüttich – Bastogne – Lüttich. „Diesmal ist der Bruch aber schlimmer, außerdem habe ich starke Rückenschmerzen. Ich bin sehr enttäuscht, denn ich kann auf keinen Fall fahren“, sagte Jaksche. Obwohl er bei der Frankreich-Rundfahrt vor allem als Helfer für Ivan Basso, der Lance Armstrong und Jan Ullrich angreifen will, vorgesehen war, hatte sich Jaksche einiges vorgenommen. „Seit ich für CSC fahre, habe ich mich enorm weiterentwickelt. Das wollte ich bei der Tour zeigen.“ Hätte sich im Verlauf der Tour gezeigt, dass Jaksche stärker ist als seine Teamkollegen Basso oder Carlos Sastre, wäre er schnell von der Rolle des Helfers in die des Kapitäns gerückt. „Er sollte eine sehr wichtige Rolle spielen, er wird uns sehr fehlen“, sagte sein Teamchef Bjarne Riis.

Nach der Auflösung seines vorherigen Rennstalls Once wechselte Jaksche zu Beginn des Jahres zum dänischen Team von Bjarne Riis, dem Tour-de-France-Sieger von 1996. Dabei hatte er auch ein Angebot des Teams Gerolsteiner. Doch mit seiner neuen Mannschaft, in der auch der Deutsche Jens Voigt fährt, feierte Jaksche in diesem Frühjahr seine bisher größten Erfolge. Bei CSC wechselt die Chefrolle von Rundfahrt zu Rundfahrt, so durfte der in seiner Zeit bei Once (von 2001 an) und dem Team Telekom (1999/2000) nur als Edelhelfer eingesetzte Jaksche endlich selbst auf Sieg fahren. Prompt gewann er im Frühjahr die Mittelmeer-Rundfahrt und die prestigeträchtige Fernfahrt Paris – Nizza. „Wenn man die ganzen Jahre nur für die anderen fährt, bleibt die eigene Stärke auch vor einem selbst verborgen“, sagte Jaksche.

Jaksche zählt zu den international viel beachteten deutschen Fahrern, die im eigenen Land im langen Schatten des Superstars Jan Ullrich stehen. Einmal im Jahr, wenn alle Welt nach Frankreich schaut, bietet sich diesen Fahrern die große Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Darauf muss Jörg Jaksche nun wieder ein Jahr warten.

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