Sport : Die Volleyballer beziehen ein Trainingslager in Belgien

Karsten Doneck

Das Spiel war rasch vergessen. 3:0 gewonnen - na und? Die Freude beim Sieger hielt sich in Grenzen. Schließlich war doch alles (fast) wie immer. Der SC Charlottenburg hatte gegen den SC Eintracht Berlin seine Vormachtstellung als führende Volleyball-Kraft in dieser Stadt unterstrichen. Und für den unterlegenen Kontrahenten blieb nur die wenig erbauliche Erkenntnis, dass man zwar die Vereinszugehörigkeit wechseln kann - von Telekom Berlin über Post SV zum SC Eintracht - , damit aber nicht automatisch auch die Verliererrolle abstreift. Im 25. Lokalderby mit dem SCC war Eintracht/Post SV/Telekom zum 23. Mal unterlegen. Und dennoch war etwas anders als sonst: So deutlich wie am vorigen Sonntag wurde die Eintracht vom SCC lange nicht mehr an die Wand gespielt. Selbst SCC-Manager Kaweh Niroomand wunderte sich: "Ich weiß nicht, was mit denen los war. Von der Besetzung her sind die doch gar nicht so schlecht."

Was da beim Gegner im Detail nicht stimmte, soll Niroomands Sorge nicht sein. Zumal auf "seinen" SCC nun neue, gewichtige Herausforderungen warten. In dem am 5. April beginnenden Play-off-Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft, gespielt nach dem Modus "Best of three", wird der Sieger aus der Partie ASV Dachau gegen TV Düren der Gegner sein. Die Charlottenburger scheuen keine Kosten, um optimal vorbereitet auf diese letzte Saison-Etappe zu gehen. Morgen reisen sie mit einem 14köpfigen Aufgebot zu einem knapp einwöchigen Trainingslager nach Maaseik (Belgien), von dort geht es für drei Tage weiter nach Mendig. Rund 20 000 Mark muss der Verein für diese Tour zusammenkratzen. "Dieses Geld war im Saisonetat gar nicht vorgesehen", sagt Niroomand, rechtfertigt aber die nicht geplante Geldausgabe: "Wir wollen optimale Voraussetzungen schaffen, um ins Endspiel zu kommen und um dort, wahrscheinlich dann gegen den VfB Friedrichshafen, gut auszusehen." In Maaseik bestreitet der SCC drei Testspiele gegen den dortigen Gastgeber, für den Marco Liefke vor seinem Wechsel nach Berlin die Bälle übers Netz schmetterte.

Mit verhaltener Freude reagierte der SCC auf die Kunde des Europäischen Volleyball-Verbandes (CEV), in der nächsten Saison eine Champions League einzuführen. Start soll im November sein. 16 Vereine werden dann zunächst auf vier Gruppen aufgeteilt. Der SCC ist als deutscher Pokalsieger bereits sportlich qualifiziert. Allerdings müssen auch noch gewisse wirtschaftliche Kriterien zur Teilnahme an dieser Champions League erfüllt werden. Dazu gehört, dass sich jeder Verein an den Kosten beteiligt. Zudem muss der Nachweis erbracht werden, dass eine Fernsehanstalt zumindest einen Teil der Spiele, notfalls auch nur in Ausschnitten, übeträgt. Niroomand sagt: "Da ist eine große Aufgabe, die da auf uns zukommt."

Und wie läppisch war da doch vergleichsweise die Aufgabe für den SCC, den Lokalrivalen SC Eintracht mal eben im Vorbeigehen mit 3:0 zu bezwingen. Wo doch jetzt die Champions League lockt.

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