Sport : Die Vorsichtigen

Hertha BSC ist so bescheiden wie lange nicht mehr

Stefan Hermanns

Was ist neu?

Eine gewisse Ungewissheit begleitet die Fußballer von Hertha BSC durch die Vorbereitung auf die neue Saison. Bisher war es immer so, dass die Profis im festen Glauben aus dem Sommerurlaub kamen, auch im nächsten Jahr wieder zu den besten Teams der Liga zu gehören. Dieses ganz spezielle Berliner Selbstverständnis ist durch die vergangene Spielzeit ins Wanken geraten. Ein wenig von diesem Selbstverständnis findet sich noch in der Ansicht, dass die vorige Saison mit dem zehrenden Abstiegskampf ein Ausrutscher war und dass Hertha nun wieder in vertraute Tabellenregionen vorstößt. Allerdings werden solche Gedanken nur selten ausgesprochen.

Der neue Trainer Falko Götz gilt als Versicherung dafür, dass es wieder so schön wird wie früher. Schon einmal, vor zweieinhalb Jahren, hat er Hertha zu attraktivem Offensivfußball beflügelt. Doch das war, bevor in der Mannschaft ein Umbruch begann, den Manager Hoeneß möglichst sozialverträglich gestalten will. Das ist gut für verdiente Spieler, von denen Hertha immer noch einige mitschleppt; es hat sich allerdings im vorigen Jahr gezeigt, dass es schlecht für die Mannschaft war. Und noch schlechter ist, dass der Umbruch längst nicht abgeschlossen ist. Nur das Olympiastadion ist inzwischen fertig.

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Wer ist der Star?

Die Frage müsste eigentlich lauten: Wer will bei Hertha unter Falko Götz überhaupt Star sein? In der vorigen Saison bei 1860 München hatten die Stars keinen besonders guten Stand bei ihm: Markus Schroth, immerhin Mannschaftskapitän, wurde von ihm zum Ersatzmann degradiert, und Nationalstürmer Benjamin Lauth musste im Mittelfeld spielen, auf einer Position, die ihm gar nicht behagte. Götz sagt auch jetzt, Namen interessierten ihn nicht. Trotzdem müssen sich Arne Friedrich und Marcelinho, Herthas größte Stars, keine Sorgen machen. Der Brasilianer ist bei Hertha eine Art Heiligtum, der außerhalb jeder Kritik steht. Unbestritten sind seine individuellen Fähigkeiten. Um von ihnen künftig noch stärker zu profitieren, hat Hertha zwei weitere Kreativkräfte – seinen Landsmann Gilberto und Yildiray Bastürk – verpflichtet, die ihn entlasten sollen. Und Nationalspieler Arne Friedrich muss in dieser Saison davon überzeugt werden, dass es für seine persönliche Entwicklung besser wäre, seinen auslaufenden Vertrag bei Hertha zu verlängern. Auch deshalb wurde er von Götz zum neuen Kapitän befördert.

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Was ist möglich?

Wenn alles perfekt läuft, könnte Hertha Fünfter werden. Aber perfekt läuft es im Fußball eigentlich nie. Deshalb planen die Berliner eher mit einer Platzierung im vorderen Mittelfeld. So jedenfalls sind die spärlichen Aussagen des Trainers und des Managers zu diesem Thema zu deuten. Weil die Berliner im vorigen Jahr schlechte Erfahrungen mit öffentlich geäußerten Saisonzielen gemacht haben (Wunsch: Champions League, Wirklichkeit: Abstiegskampf), gibt es in diesem Sommer keine offizielle Festlegung. Nur Marcelinho redet wie in jedem Jahr von der Meisterschaft. Er ist der Einzige, der das darf – weil seine Prophezeiungen ohnehin niemand mehr ernst nimmt.

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