Sport : Die Wahl wird nicht zur Qual

KARSTEN DONECK

Bei den SCC-Volleyballern harmonieren zwei erstklassige ZuspielerVON KARSTEN DONECK BERLIN.Im Spätsommer änderte Mirko Culic plötzlich seine Meinung.Ursprünglich wollte er sich ja vom Frühjahr an mit seiner Lebensgefährtin, der Basketballerin Milica Vukadinovic, in Amerika seßhaft machen.Culic reiste auch planmäßig aus Berlin ab, kehrte aber außerplanmäßig vor sechs Wochen zurück.Und Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg hatte damit ein Problem am Hals.Eines der angenehmen Sorte allerdings.Weil der SCC sich die Verjüngung der Mannschaft zum Ziel gesetzt hat, war wegen Culics längst bekannten Auswanderungsabsichten bereits gleichwertiger Ersatz beschafft worden.Und zwar in Person von Frank Dehne vom Post SV.Nun haben die Charlottenburger also zwei Zuspieler im Kader.Noch dazu zwei, von denen weder der eine noch der andere für die Ersatzbank taugt.Dehne hat sich schließlich in der Nationalmannschaft durchgesetzt, und Culic gehört, zumindest nach dem Urteil von SCC-Manager Kaweh Niroomand, "immer noch zu den besten Zuspielern Europas".Was tun? Die Charlottenburger freuten sich erst einmal.Einen Leistungsträger wie Culic, um den beneidet einen nahezu die gesamte Bundesliga-Konkurrenz.Aber wie ihn nun einordnen in das Team für die neue Saison? Nach ein paar Gesprächsrunden herrschte bei allen beteiligten Personen rundum Einvernehmen: Culic wird Co-Trainer beim SCC und - die Überraschung - zweiter Zuspieler hinter Frank Dehne.Skeptiker meinten sogleich, diese Rangordnung sei nie und nimmer einzuhalten, Krach also programmiert. Doch das hochkarätige Zuspieler-Duo harmoniert.Dabei profitiert Dehne nicht unerheblich von Culic."Frank weiß, daß er in seiner Volleyball-Entwicklung noch nicht fertig ist", sagt Niroomand.Und: "Er ist keineswegs zu eitel, um nicht auch mal den Rat eines erfahreneren Spielers wie Mirko anzunehmen.Und Mirko seinerseits kümmert sich sehr intensiv um ihn.Beide gemeinsam legen sogar ab und zu nach dem Training noch Sonderschichten ein." Ganz klar: Frank Dehne ist mit seinen 21 Jahren ein Stück Zukunft des SCC.Culic ist immerhin schon 34 Jahre alt.Aber damit keineswegs zu alt, um in Notsituationen nicht noch entscheidend eingreifen zu können.Als Dehne aufgrund nur allzu verständlichen Premierenfiebers beim 2:3 zum Saisonauftakt gegen den VfB Friedrichshafen noch ein wenig hektisch und nervös agierte, wechselte Trainer Andrzej Niemczyk alsbald Culic ein.Der brachte mehr Ruhe, mehr Ordnung in die SCC-Aktionen.Zuletzt beim 0:3 in Fellbach durfte Dehne dann aber schon fast durchspielen.Das wünscht er sich auch für den kommenden Sonntag (15 Uhr, Sömmeringhalle), wenn der SCC im Bundesliga.Lokalderby auf seinen alten Klub Post SV trifft.Dehnes Vorteil: Mit einer Länge von 2,00 m ist er exakt zwölf Zentimeter größer als Culic, "dadurch verstärkt er uns auch im Block", so Niroomand. Daß die Position des Zuspielers beim SCC besondere Beachtung findet und geradezu liebevoll "gepflegt" wird, kommt nicht von ungefähr.Trainer Niemczyk war als Aktiver selbst Zuspieler, bildete später eine Ausnahmekönnerin wie Renate Rieck in dieser spielbestimmenden Rolle aus."Dehne ist bei ihm in guten Händen", hat Niroomand erkannt.Der Manager seinerseits weiß aus eigener Erfahrung den Wert eines guten Zuspielers zu schätzen.Unter seinen Fittichen als Trainer reiften in Berlin einst Zuspieler wie Sven Eggert und Thomas Brall heran. Eine Traditon, die mit einem Frank Dehne nun fortgesetzt werden soll.

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