Sport : Die wahre WM

Deutscher Eishockey-Bund plant für World Cup of Hockey

Claus Vetter

Prag. An Urlaub kann Franz Reindl momentan nicht denken. Nach der Weltmeisterschaft ist vor dem World Cup of Hockey. Der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) hat derzeit viel zu tun. Mit Erleichterung hat Reindl daher zur Kenntnis genommen, dass die Slowakei im WM-Viertelfinale von Prag mit dem 3:1 gegen die Schweiz dafür gesorgt hat, dass sich die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft nicht durch ein Qualifikationsturnier für die Olympischen Winterspiele in Turin 2006 kämpfen muss.

Durch ihr Ausscheiden bleiben die Schweizer in der Weltrangliste hinter den Deutschen, die nun automatisch für Turin qualifiziert sind. „Die Folge eines Schweizer Sieges wäre für uns sportlich und terminlich ein großes Problem gewesen“, sagt Reindl. Im September beginnt der World Cup of Hockey, die Veranstaltung der nordamerikanischen Profiliga NHL, bei der die acht weltbesten Teams sozusagen den wahren Weltmeister erspielen. Denn bei dem in Europa und Nordamerika ausgetragenen Turnier werden alle Stars aus Übersee, die derzeit noch in den Play-offs auf dem Eis stehen, mitwirken. Und das wird laut Reindl „der absolute Hit“ – auch wenn die Deutschen bei diesem Turnier wenige Chancen haben werden. Die Gegner dürften zu stark sein.

Bereits am 17. Mai muss Reindl die 26 Spieler für den World Cup gemeldet haben. Am 2. September wird es für die Deutschen in Köln dann ernst, danach müssen sie bei den anderen Gruppengegnern Tschechien und Schweden auswärts antreten. Die beiden erstplatzierten Teams haben im Viertelfinale Heimrecht gegen die Mannschaften auf den Plätzen drei und vier, bevor es dann im Halbfinale nach Nordamerika geht, wo die andere Gruppe mit den USA, Kanada, der Slowakei und Russland ihre Vorrunde ausspielt.

Beim World Cup können alle deutschen NHL-Spieler mit von der Partie sein: Neben Torhüter Olaf Kölzig (Washington) und Stürmer Jochen Hecht (Buffalo), die schon bei der WM in Prag die Auswahl unterstützt haben, auch die Verteidiger Sven Butenschön (New York Islanders), Denis Seidenberg (Philadelphia), Christian Ehrhoff und Stürmer Marco Sturm (beide San José). Und Marcel Goc, der bei seinen beiden ersten Einsätzen für San José für Furore gesorgt hat. Dem ehemaligen Schwenninger Stürmer gelangen gleich ein Tor und eine Vorlage.

Wer hinter der Bande des deutschen Teams stehen wird, ist laut Reindl klar: Hans Zach. Der Tölzer hatte das Nationalteam nach jahrelanger Tristesse wieder an die Weltspitze herangeführt. Doch passte das Scheitern von Prag nicht in die positive Entwicklung der Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren. Zach wurden Fehler vorgeworfen, bei der Auswahl der Spieler und bei seinem defensiven Spielsystem, das für die Gegner ausrechenbar erschien.

Trotzdem soll der Vertrag mit dem Bundestrainer in den nächsten Tagen verlängert werden. „Ich werde dem Präsidium des DEB mitteilen, dass für mich außer Diskussion steht, dass er Bundestrainer bleibt“, sagte Reindl gestern dem Tagesspiegel. „Ich stehe zu hundert Prozent hinter Hans Zach.“

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