Sport : Die weiblichen Bayern kommen aus Hessen

Die Fußballerinnen vom 1. FFC Frankfurt werden nach einem 0:0 bei Turbine Potsdam zum vierten Mal Deutscher Meister

-

Potsdam (Tsp). Der 1. FFC Frankfurt bleibt im deutschen Frauenfußball das, was der FC Bayern München bei den Männern ist: eine Klasse für sich. Zwei Wochen nach ihrem DFBPokalsieg holten sich die Hessinnen in einem dramatischen Saisonfinale der Bundesliga-Saison mit einem 0:0 bei Turbine Potsdam ihren vierten Meistertitel nach 1999, 2001 und 2002, sicherten sich zugleich das vierte Double und die erneute Teilnahme am Uefa-Cup. Dabei hatte Frankfurt allerdings bis in die Nachspielzeit zu zittern, als ein Treffer der Potsdamerin Petra Wimbersky wegen Abseits nicht gegeben wurde.

Bemerkenswert war die Kulisse im Karl-Liebknecht-Stadion zu Potsdam-Babelsberg. 7900 Zuschauer zahlten, das ist ein neuer Rekord in Potsdam. Und das, obwohl die Dritten Programme der ARD das Spiel live übertragen. „Diese Stimmung hat uns unglaublich beflügelt. Wir waren die ganze Saison vorn, insofern ist es doch gerecht, dass wir auch am Ende vorn stehen“, befand Frankfurts Spielführerin Nia Künzer.

Die große Kulisse beflügelte zunächst den ewigen Zweiten aus Potsdam, der schon in den zurückliegenden zwei Jahren jeweils knapp hinter Frankfurt die Saison beendet hatte. Im Falle eines Potsdamer Sieges wäre erstmals nach der Wende ein deutscher Meistertitel in den Osten Deutschlands gegangen. Nationalspielerin Ariane Hingst hatte die große Chance zur Potsdamer Führung, aber sie verpasste mit einem Kopfball knapp das Frankfurter Tor.

Dann aber änderte sich das Bild. Mitte der ersten Halbzeit zeigte Serien-Meister Frankfurt das reifere Spiel. Renate Lingor mit einem Heber und Louise Hansen versagten bei glasklaren Möglichkeiten jedoch freistehend die Nerven zur Vorentscheidung. Beide scheiterten an der überragenden Potsdamer Torhüterin Nadine Angerer, die sich auch bei tollen Freistößen von Renate Lingor mit Glanzparaden auszeichnete.

Turbine litt mit zunehmender Spielzeit unter dem Druck, angesichts eines Rückstands zwei Punkten unbedingt gewinnen zu müssen. Kleine Unsicherheiten schlichen sich so in das Spiel des jüngsten Bundesliga-Vereins (Durchschnittsalter 20 Jahre) ein. Dadurch ergaben sich für Frankfurt immer wieder Torchancen. Als Annelie Brendel in der 52. Minute für ihre Torfrau auf der Linie klärte, reklamierten die Frankfurterinnen zu Recht auf Handspiel. Der Schiedsrichterpfiff blieb aber aus. Glück für Turbine – und Pech wenig später, als Navina Omilade aus drei Metern das Frankfurter Tor verfehlte. „Das war die ganz große Chance. Ich bin furchtbar traurig, dass ich es nicht gepackt habe“, ärgerte sich die Nationalspielerin.

„Einige sind an ihren Nerven gescheitert, deshalb sind wir nicht über das Unentschieden hinaus gekommen“, sagte Turbine-Trainer Bernd Schröder, der sein Team schon zu DDR-Zeiten zu sechs Meistertiteln zwischen 1981 und 1989 geführt hatte. Seine Spielerinnen lagen nach dem Abpfiff mit Tränen in den Augen auf dem Rasen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben