Sport : Die Weihnachtsmänner

Warum der Skiverband auf die Langläufer hofft

Benedikt Voigt

Berlin/Kuusamo - Es ist kalt geworden in Kuusamo am finnischen Polarkreis. Minus 20 Grad Celsius misst das Thermometer an der Grenze zu Russland, und das bedeutet, dass gute Chancen bestehen, auch an diesem Wochenende wieder Axel Teichmanns Ziegenbart in gefrorenem Zustand zu sehen. Der Gesichtsschmuck des deutschen Langläufers hat gute Chancen, in dieser Saison zum Markenzeichen des deutschen Wintersports zu werden.

Die deutschen Langläufer stehen vor einem erfolgreichen Winter. Das hat bereits der zweite Weltcup am vergangenen Wochenende in Galliväre gezeigt, als Axel Teichmann vor Rene Sommerfeldt über 15 Kilometer im klassischen Stil siegte und die deutsche Herrenstaffel ebenso. Wenn am Freitag in Kuusamo auch das Skispringen (17.05 Uhr, live in ARD) und am Samstag die Nordische Kombination (8.35 Uhr, live in der ARD) starten, hat für die nordischen Disziplinen die vorolympische Wintersaison endgültig begonnen.

„Dem Deutschen Skiverband steht ein wichtiger Winter bevor“, sagte Sportdirektor Thomas Pfüller dem Sportinformationsdienst, „nur derjenige, der im vorolympischen Winter das Weltniveau bestimmt, kann auch im Olympiajahr Spitze sein.“ Vor den Olympischen Spielen 2006 liegt noch die Nordische- Ski-WM im Februar in Oberstdorf. Axel Teichmann sagt: „Das Hauptaugenmerk liegt sowieso auf der WM in Oberstdorf, der Weltcup ist zweitrangig.“

Nach Kuusamo werden die Athleten in den drei nordischen Disziplinen erstmals wissen, wo sie stehen. Das ist aus deutscher Sicht besonders im Skispringen spannend. Dort macht sich nach dem kurzfristigen Bundestrainerwechsel von Trainer Wolfgang Steiert zu Peter Rohwein Unsicherheit breit. „Sportlich werden wir sicher keinen Star vom Format eines Sven Hannawald oder eines Martin Schmitt in Glanzform präsentieren können“, sagt Pfüller. Trotzdem erhöht er auf den neuen Bundestrainer den Druck und fordert eine Medaille bei der WM in Oberstdorf.

Damit sieht es freilich in der Nordischen Kombination und im Langlauf viel besser aus. Die Kombinierer bieten in Ronny Ackermann einen zweimaligen Weltcupgewinner auf, der allerdings noch nicht in Bestform ist. Auch Sebastian Haseney, Georg Hettich und Björn Kircheisen sind für vordere Platzierungen gut. Am besten sind die Aussichten jedoch im Langlauf.

Kurioserweise hat der Verband den Grundstein für die aktuellen Erfolge in den Neunzigerjahren gelegt, als er die Langläufer kurzzeitig aus dem Weltcup zurückzog. Mangels Wettbewerbsfähigkeit. „Das war das Beste, was passieren konnte“, sagt Pfüller. Damals musste der Verband im Langlauf wieder ganz unten im Nachwuchsbereich anfangen – und sammelt jetzt die Erfolge dieser Aufbauarbeit. Im Skispringen hingegen ist dies aufgrund der zahlreichen Erfolge zuletzt versäumt worden. „Es stimmt, wir haben da etwas verpasst“, sagt Pfüller, „und wir haben jetzt alle Hände voll zu tun, um das wieder auszubügeln.“

Doch auch im Langlauf gibt es Sorgen, wenngleich keine großen. Die Verfassung der Frauen lässt noch ein wenig zu wünschen übrig. Evi Sachenbacher holte in Galliväre über zehn Kilometer im klassischen Stil mit Rang zehn noch die beste Platzierung. Der Star der Langläuferinnen hat vor dieser Saison den Trainer gewechselt und lässt sich nun vom Biathlon-Coach Wolfgang Pichler betreuen. In der Staffel konnten die deutschen Damen zuletzt mit Rang drei immerhin schon wieder an die Weltspitze heranlaufen.

Dort ist bei den Männern Axel Teichmann gegenwärtig das Maß aller Dinge. Der 25-Jährige möchte bei der WM in Oberstdorf gleich viermal Gold gewinnen. Bundestrainer Jochen Behle hält ihn für ein Ausnahmetalent, wie es Johann Mühlegg war. Allerdings gebe es noch ein paar nicht unwichtige Unterschiede zu dem überführten Dopingsünder. „Axel ist charakterlich sauber und technisch einwandfrei“, sagt Behle. Und er trägt einen Ziegenbart, der ihn vor der Kälte schützen soll. „Axel ist nicht nur wegen seines Bartes unser Weihnachtsmann“, sagt Behle. Sondern auch, weil er dem Verband Siege schenkt.

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