Sport : Die Welt zu Gast in Ostwestfalen

Mathias Klappenbach

Der local hero verspürt oft den Drang, sein Nest, in dem er alles erreicht hat, zu verlassen und in der Ferne das noch größere Glück zu suchen. Bielefeld liegt in Ostwestfalen, Provinz. Wer dort für die Arminia überdurchschnittlich spielt, ist schnell ein Held. Und hat damit die Chance, woanders, bei einem größeren Klub einen Vertrag zu bekommen. Um dort dann zu scheitern. Viele, die Bielefeld zum Erfolg der vergangenen Jahre verholfen haben, sind zuletzt andernorts untergegangen.

Beispiele dafür sind Artur Wichniarek, der bei Hertha BSC immer neben das Tor zielte und nach seiner Rückkehr wieder für die Arminia trifft. Die als kommende Nationalspieler gehandelten Verteidiger Benjamin Lense und Matthias Langkamp spielen entweder gar nicht mehr oder in der Schweiz. Wie Stürmer Delron Buckley, der erst bei Borussia Dortmund unterging und dann zum FC Basel floh. Und als die Bielefelder Fans „Lass’ die Finger von Owomoyela“ sangen, ahnten sie wohl, dass selbst ihr Nationalspieler in Bremen auf der Bank landen wird.

Der local hero schlechthin aber ist Thomas von Heesen. Er schoss Arminia als Spieler zurück in die Bundesliga, half in schwieriger Zeit als Manager und entwickelte als Trainer den Stil, mit dem sein zwischenzeitlicher Nachfolger Uwe Rapolder – der dann in Köln scheiterte – unter dem Label Konzeptfußball großes Aufsehen erregte. Die Mannschaft betont fast täglich, dass die erstaunlichen Erfolge das Verdienst von Heesens sind. Deshalb will Borussia Dortmund das Risiko eingehen, es in der nächsten Saison mit dem Provinzhelden zu versuchen. Doch wenn es so weitergeht, hat der local hero Bielefelds bald eine ungeahnte Option, diesem tragischen Schicksal zu entgehen. Die Provinz selbst könnte zum Schauplatz großer Erfolge werden.

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