Sport : Die Weltsensation von Karlstad

NAME

Von Claus Vetter

Karlstad. Eigentlich mag Hans Zach Superlative nicht besonders. Am Freitag aber, zur späten Abendstunde in der „Löfbergs Lila Arena“ im schwedischen Karlstad, da war alles anders. Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hatte gerade mit einem 3:2-Sieg gegen Lettland das Viertelfinale der Weltmeisterschaft erreicht, und Bundestrainer Zach sprach stolz sogar von einer „Weltsensation“.

Nur war es keineswegs weltbewegend, was die Deutschen gegen Lettland gezeigt hatten. Lange Zeit sah es nach einer Niederlage aus. Erst sechs Minuten vor Spielschluss hatte Boris Blank vom EHC Eisbären Berlin den Ausgleich erzielt, 33 Sekunden vor Ende schoss Wayne Hynes (Mannheim) das Tor zum Einzug in die Runde der besten acht.

Es war charakteristisch für diese deutsche Mannschaft, dass sich der Schütze nicht zum Helden hochstilisieren ließ, sondern fast peinlich berührt auf die Mannschaftsleistung verwies. „Es schießen viele von uns wichtige Tore“, sagte Hynes. „Vor allem unsere jungen Spieler sind Führungspersönlichkeiten. Ein paar von denen spielen in ein paar Jahren mit Sicherheit in der National Hockey League in Nordamerika.“

Gemeint sind Spieler wie die Verteidiger Christoph Schubert oder Dennis Seidenberg, die es wohl bald in die nordamerikanische Profiliga zieht. Dort, wo sich mit Marco Sturm und Jochen Hecht zwei deutsche Stürmer durchgesetzt haben. Dass inzwischen die Späher aus der NHL häufiger in Deutschland vorbeischauen, ist ein Beleg dafür, dass sich etwas im deutschen Eishockey bewegt hat. Dreimal haben die Deutschen bei der WM schon gewonnen, dazu bei ihren Niederlagen gegen Weltmeister Tschechien (5:7) und Olympiasieger Kanada (1:3) noch recht gut ausgesehen. Das Erreichen des Viertelfinales ist ein Erfolg – allerdings auch einer, der mit den in jüngster Zeit erzielten Ergebnissen der Mannschaft korrespondiert. Zachs Entdeckung der „Weltsensation“ erfolgte daher wohl vor allem aus gewissem Kalkül. Schließlich sind nach den Viertelfinalteilnahmen bei der WM 2001 im eigenen Lande und bei den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City die Erwartungen an die Nationalmannschaft nicht gesunken. Ein Scheitern der Nationalmannschaft in der Zwischenrunde bei der WM von Schweden wäre zwar verzeihlich gewesen, hätte dem Eishockey in Deutschland aber auch keinen neuen Schwung verpasst. Dies wusste Zach.

Vor dem Spiel vom Freitag wirkte der Bundestrainer daher sichtlich nervös und schimpfte auf „die Verletzungshexe, die uns erwischt hat", obwohl doch nur der Kasseler Tobias Abstreiter ausfiel.

Zach schien sich schon mal die Entschuldigungen für den Fall eines Misserfolges gegen Lettland zurechtzulegen. Dabei muss der Bundestrainer keine Angst haben, dass der Erfolg seiner Mannschaft nicht genügend Anerkennung erfährt. Dazu ist die Erinnerung an die jüngste Vergangenheit zu frisch. Vor drei Jahren noch hatten die Deutschen den Aufstieg in die A-Gruppe verpasst – nach einer Niederlage gegen Kasachstan.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben