Sport : Die Wettmafia holt den Titel Wie Italiens Fußball

manipuliert wurde

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Generoso Rossi war eigentlich nie mit übernatürlichen Begabungen aufgefallen. Der ehemalige Torwart des italienischen FußballErstligisten AC Siena galt eher als solider Vertreter seines Fachs. Auch hellseherische Fähigkeiten waren bei Rossi nicht bekannt. Bis zum März. Da hörten neapolitanische Anti-Mafia-Ermittler das Telefon eines Verdächtigen ab und wunderten sich, dass der Gesprächspartner plötzlich Ergebnisse des kommenden Spieltages vorhersagte. Als diese auch noch eintraten, geriet auch der Hellseher ins Visier der Ermittler: Generoso Rossi.

Heute gilt der 25-Jährige als Schlüsselfigur im Wettskandal des italienischen Fussballs, den der römische „Corriere dello Sport“ als „Erdbeben mit Epizentrum in Neapel“ beschreibt. Zusammen mit seinem Präsidenten Paolo De Luca, unter dem der Klub von der Dritten in die Erste Liga aufgestiegen war, soll Rossi Kollegen dazu ermuntert haben, für Geld Ergebnisse so zu beeinflussen, dass sie den Wünschen der neapolitanischen Wettmafia entsprachen. Deren Umsatz wird auf jährlich 3,5 Milliarden Euro geschätzt. Inzwischen gehen die Ermittler nach Untersuchungen bei zwölf Erst-, Zweit- und Drittligaklubs davon aus, dass Spiele im großen Stil manipuliert wurden. Zu den verdächtigen Klubs aus der Serie A soll neben Siena und Chievo Verona mittlerweile auch Udinese Calcio gehören. Aus Ermittlungskreisen heißt es zudem, dass noch weitere Erstligaklubs in den Skandal verwickelt und sogar das Meisterschaftsfinale der Serie A manipuliert worden seien.

Der Vizepräsident des italienischen Ligaausschusses, Antonio Matarrese, reagierte geschockt. „Das ist ein weiterer schwerer Schlag gegen die Glaubwürdigkeit des Fußballs. Ich wünsche mir nur, dass das Szenario nicht der Wahrheit entspricht“, sagte Matarrese nach Bekanntwerden der Ermittlungen. Mittlerweile scheint dies ein frommer Wunsch zu sein, der mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat. Der letzte große Absprachenskandal im italienischen Fußball geht auf das Jahr 1980 zurück, in den auch die Stürmerlegende Paolo Rossi, der zwei Jahre später Torschützenkönig der Weltmeisterschaft in Spanien wurde, verwickelt war. Seitdem gab es immer wieder den Verdacht von Spielabsprachen, nur: Beweise fehlten. Die hat die Polizei jetzt offenbar gefunden.

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