Sport : Die Widersprüchlichen

In 18 Tagen durch die Liga (12) – wie die Bundesliga-Klubs aufgestellt sind. Heute: Schalke 04

Richard Leipold

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? Obwohl die jüngsten Modellversuche von Manager Rudi Assauer mit zwei unerfahrenen Übungsleitern (Neubarth, Wilmots) gescheitert sind, haben sich Spekulationen über einen Machtverlust Assauers als voreilig erwiesen. Bei der Verpflichtung des neuen Trainers Jupp Heynckes setzte sich Assauer sogar gegen die befreundete Presse durch. Ein Boulevardblatt hatte vehement nach Christoph Daum gerufen – bis Assauer die Chefredaktion aufforderte, die Kampagne einzustellen. Seitdem Heynckes da ist, kann der Manager bei der Öffentlichkeitsarbeit kürzer treten.

Was ist das Besondere? Eine Mischung aus Tradition und Moderne, aus Höhen und Tiefen, aus Mythos und Marketing. Von einer Minute auf die andere wird aus Schwarz Weiß und umgekehrt. Erst schien Schalke keinen Trainer zu finden, am Ende einer wochenlangen Suche stellte der Klub den Mann vor, der auf der Kandidatenliste angeblich immer ganz oben gestanden hat. Solche Widersprüche sind typisch für den Klub.

Was hat sich verbessert? Wenn die Mannschaft sich so verbessert hätte wie die Stimmung, wäre von den Schalkern Großes zu erwarten. Dem Verdruss der zurückliegenden Monate folgt die pure Zuversicht frei nach dem Motto: Der Trainer ist besser, also wird es auch die Mannschaft sein – oder werden.

Wie sicher ist der Trainer? Die oft gestellte Frage, ob das gut gehen kann mit zwei so starken Persönlichkeiten wie Assauer und Heynckes, scheint verfehlt. Die beiden Männer, die aus derselben Profigeneration stammen, vertrauen einander. Ihre sportliche Partnerschaft dokumentieren sie auch mit der Sitzordnung. Assauer wollte sich auf die Tribüne zurückziehen, doch Heynckes lehnte das Angebot ab. „Rudi gehört auf die Bank wie früher Helmut Grashoff in Mönchengladbach.“ Heynckes sagt das aus gutem Grund: Als Trainer war er nirgendwo so sicher wie bei der Borussia.

Wie passen die Neuen? Schon recht gut. Der 18 Jahre alte Brasilianer Eduardo Alcides gilt als Favorit für die rechte Außenposition in der Abwehrkette. Hamit Altintop, der vom Regionalligaklub Wattenscheid kam, könnte einen Platz im zentralen Mittelfeld erobern. Der junge Türke ist der einzige Zugang, für den eine Ablösesumme gezahlt wurde: 1,8 Millionen Euro. Levan Kobiaschwili (Freiburg), Simon Cziommer (Enschede) und Jochen Seitz (Stuttgart) dürften eher die Bank als die Startelf verstärken.

Wie wird gespielt? Heynckes will das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Offensive, Defensive, am besten beides zusammen. Meisterschaften würden in der Abwehr entschieden, sagt er. Aber das ist nur die halbe Wahrheit; Fußball ist auch Unterhaltung. Also lässt Heynckes auf Angriff spielen – auch, „um Sympathien zu gewinnen“.

Wer sind die Stars? Andreas Möller und Marc Wilmots haben ihre Laufbahn beendet. Auf teure, glamouröse Zugänge hat der Klub verzichtet. Keine Stars mehr auf Schalke? Doch, doch, es gibt noch welche: den Trainer, den Manager, die Arena.

Was gibt das Stadion her? Die Arena auf Schalke nennen manche das Theater der Träume. Zuletzt war es für die Schalker allerdings ein Theater der Albträume. Auch dürfte es ein Wunsch bleiben, bei der WM 2006 ein Halbfinale auszurichten. Das geforderte Fassungsvermögen von mindestens 60 000 Zuschauern dürfte ein K.-o.-Kriterium sein. Bei internationalen Spielen finden in der Arena nur 52 000 Menschen Platz.

Wie sind die Fans? Schalke-Fans sind vor allem eines: anhänglich. Die Mannschaft hat immer wieder vieles versucht, aber es ist ihr nicht gelungen, die Massen zu vergraulen. Der Verein könne „der großen Nachfrage nur mit vielen Absagen Herr werden“, sagt Geschäftsführer Peter Peters. Nach 42 100 verkauften Jahreskarten hat der Klub den Verkauf eingestellt.

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