Sport : Die Wiederholungstäter

Brink/Reckermann schlagen die Beachvolleyball-Olympiasieger und ziehen ins WM-Viertelfinale ein

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Duo mit vier Pranken. Julius Brink (links) und Jonas Reckermann sind auf dem besten Weg zur Titelverteidigung. Foto: nordphoto
Duo mit vier Pranken. Julius Brink (links) und Jonas Reckermann sind auf dem besten Weg zur Titelverteidigung. Foto: nordphotoFoto: nordphoto

Als das Spiel bei 13:13 im dritten Satz in seine heißeste Phase kam, packte Julius Brink seine stärkste Waffe aus: Der Abwehrspieler aus Leverkusen knallte einen Sprungaufschlag über das Netz, der so stark flatterte, dass er seinem Gegenüber Phil Dalhausser voll im Gesicht traf. Am Ende hatten Brink und sein Partner Jonas Reckermann die Olympiasieger Rogers/Dalhausser in einem dramatischen Schlagabtausch mit 2:1 (17:21, 21:19, 18:16) bezwungen und dabei eine unglaubliche Leistung vollbracht. Und das gegen einen Kontrahenten, der weltweit gefürchtet ist, weil er als kaum besiegbar gilt.

40 Siege e in Serie haben die US-Amerikaner auf der World Tour geschafft, das ist ein Rekord, von dem all die Brasilianer und Europäer nicht einmal zu träumen wagen. Doch bei Weltmeisterschaften gelten offenbar andere Gesetze. Vor zwei Jahren hatten die Deutschen die Unbezwingbaren schon einmal düpiert und danach sensationell den Titel gewonnen. Als erstes europäisches Team in der Geschichte des Beachvolleyballs.

Wie sehr sie das ungewohnte Schicksal getroffen hatte, ließen die Amerikaner ihre aufmüpfigen Widersacher spüren: Sieben Mal in Folge gewannen Rogers/Dalhausser gegen Brink/Reckermann, teilweise glichen die Aufeinandertreffen Lehrveranstaltungen auf Sand. „Wir haben ordentlich Prügel bezogen“, sagt Brink, „die Niederlage 2009 hat denen ganz und gar nicht geschmeckt.“

Doch nun, da es wieder um einen großen Titel geht, schlug erneut die Stunde der Außenseiter. Dieses ungeheuer packende Spiel hatte etwas Episches, es war gespickt mit allem, was den Sport so faszinierend macht: Brink/Reckermann legten ungeheuer konzentriert los, doch plötzlich kippte das Spiel und die Amerikaner dominierten mit ihrer Blockstärke und strategischem Geschick. Dalhausser, den sie „das dünne Biest“ nennen, war kaum noch passierbar; wenn es doch mal gelang, sammelte Rogers im Hinterfeld die Bälle ein. Vor allem Brink gelang es in dieser Phase kaum noch, seine Angriffe auf den sandigen Boden zu bekommen. „Ich habe gewackelt und war kurz davor zu fallen“, sagte der 28-Jährige.

Die Qualität dieses Duos offenbarte sich immer dann, wenn es scheinbar am Boden lag. „Du darfst nie aufgeben, dann kippt die Sache irgendwann“, sagte Brink. So wie im dritten Satz, als Rogers/Dalhausser bereits mit 8:3 und 9:5 davongezogen waren. Eigentlich eine sichere Sache. Doch an diesem herrlich warmen Sommerabend im Foro Italico war alles anders. In der entscheidenden Phase agierten die Weltmeister gegen die Olympiasieger wie echte Champions.

Es war ein krachendes Ausrufezeichen, doch die Protagonisten ließen sich nicht zu Feierlichkeiten hinreißen. „Mal langsam“, sagte Reckermann nach dem Spiel, „wir sind hier gerade mal im Viertelfinale. Morgen warten die Polen, und die haben noch keinen Satz verloren.“

Drei Schritte fehlen noch, bis sich Julius Brink und Jonas Reckermann ein zweites Mal die Krone aufsetzen können. Und diese Schritte wollen die Deutschen nacheinander gehen. „Es wird von mir auch nach einem Sieg wie heute kein Statement geben, das man in Großbuchstaben irgendwo hinschreiben kann“, sagte Brink. „Wir können auch morgen noch nicht Weltmeister werden.“

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