Sport : Die Wiederkehrer

In 18 Tagen durch die Liga (3) – wie die Bundesliga-Klubs aufgestellt sind. Heute: SC Freiburg

Christoph Kieslich

Wer hat das Sagen? Gern wird die These verbreitet, dass Volker Finke der Allmächtige in Freiburg ist. Durch ständige Wiederholung wird diese Behauptung aber nicht richtiger. Wahr ist, dass der Trainer seit mehr als zwölf Jahren großen Einfluss ausübt, sich über den Fußballplatz hinaus den Kopf über den Sport- Club zerbricht und sonst kleine, kompetente Funktionsteams die Geschicke lenken. In Freiburg gibt es keine Einflüsterer von außen, kein Dutzend Gremien im Klub, sondern einen Trainerstab von diplomierten Fußballlehrern und einen geschäftsführenden Vorstand. Dass der Trainer zu wichtigen Entscheidungen seine Meinung sagt, findet zumindest im Verein niemand seltsam.

Was ist das Besondere? Mit kleinen Mitteln an einem strukturschwächeren Standort immer wieder Erstliga-Fußball zu präsentieren, ist außergewöhnlich genug. Dabei immer wieder auch erfolgreich und schön zu spielen (zwei Europapokalteilnahmen), verdankt man Finkes Fußballphilosophie.

Was hat sich verbessert? Jahrelang war es üblich, dass der SC eine Baustelle mit in die Saison genommen hat. Die großen Infrastrukturaufgaben sind inzwischen erledigt. Inzwischen finden auch Sponsoren und VIPs Räume auf Bundesliga-Standard vor.

Wie sicher ist der Trainer? Wer die jüngere Geschichte des SC Freiburg anschaut, begreift schnell, dass im Verein eine Negativserie nicht gleich eine Trainerdiskussion auslöst. Seit 1991 arbeitet Finke in Freiburg, sein Rückhalt im Vorstand ist unbestritten, und nach 1993 und ’98 unternimmt er nun den dritten Anlauf in Liga eins. Das hat vor ihm noch keiner geschafft, ein Rekord, auf den er sich indes gar nichts einbildet: „Ich wäre lieber nur einmal aufgestiegen.“

Wie passen die Neuen? Neue Temporeserven habe das Team, sagt Finke. In der Tat sind die Neuen pfeilschnell. Dennis Kruppke (Lübeck), Ellery Cairo (Enschede), Torge Hoffmann (Amateure), Jürgen Gjasula (Jugend) sind neu gekommen, dazu Rode Antar vom HSV, der allerdings mit einem Mittelfußbruch noch bis Weihnachten ausfällt. Geht alles gut, bekommen die Freiburger auch noch den jungen Wilfried Sanou aus Burkina Faso, der für Sion (Schweiz) zehn Tore erzielt hat.

Wie wird gespielt? Hohe Laufbereitschaft, das Verschieben über den Platz, Überzahl schaffen – das sind die Standards. „Aus Überzeugung bleiben wir dabei, viel Kombinationsfußball zu suchen“, sagt Finke. Dafür stehen ihm sehr gute Fußballer zur Verfügung. Seine klassische Formation hat zwei Innenverteidiger, zwei Außenspieler, die je nach Situation eine Viererkette bilden. Vorn spielen zwei Stürmer, dahinter steht mindestens ein offensiver Mittelfeldspieler.

Wer sind die Stars? Stars hat der SC keine, und wenn einer Star wird, ist er sowieso bald weggekauft (Cardoso, Heinrich, Kehl). Publikumslieblinge gibt es jede Menge, Zlatan Bajramovic, Alexander Iaschwili oder Richard Golz, der im ersten Heimspiel zu seinem 400. Bundesligaspiel kommen könnte. Das sollte reichen, um ein Star zu sein.

Was gibt das Stadion her? Klein (25 000 Plätze), aber fein. Mit am dichtesten erleben die Zuschauer im engen Dreisamstadion die Bundesliga – das ist Fußball zum Anfassen.

Wie sind die Fans? Nach bald zehn Jahren Bundesliga sind die Ansprüche gestiegen. Wenn Mannschaft und Publikum gut aufgelegt sind, kann der Zwölfte-Mann-Effekt eintreten. Bisweilen haben die Fans Probleme mit der Transferpolitik des SC, der nach wie vor eher unbekannte Größen holt und dafür so wenig Geld ausgibt, dass die Konkurrenz stutzen müsste.

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