Sport : Die Wir-AG

Mike Hanke trifft – und muss wieder auf die Bank

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Auf die Dauer will Mike Hanke sich nicht damit begnügen, als Gelegenheitsarbeiter eingesetzt zu werden. Nach seinen beiden Toren im Pokal-Viertelfinalspiel gegen Hannover 96 sagte der junge Fußballprofi: „Es wird Zeit, der Trainer muss sich etwas einfallen lassen.“ Beim 3:1 war Hanke abermals die entscheidende Figur – wie gut fünfzig Stunden zuvor im Bundesligaspiel gegen denselben Verein, das Schalke dank Hankes Treffer 1:0 gewonnen hatte. Der 21 Jahre alte Junioren-Nationalspieler war der Auffälligste unter den glücklichen Gewinnern aus Gelsenkirchen. Gegen den Trend dieser Saison durfte er zweimal von Anfang an spielen – es hat ihm Mut gemacht.

Hanke ist es leid, sich anzustellen hinter den Männern mit den großen Namen, ob sie Ebbe Sand heißen oder Ailton. Beflügelt von den Erfolgen fühlt er sich voller Tatendrang. Wenn er an diesem Samstag, beim Bundesligaspiel in Bochum, wieder auf der Bank säße, „wäre die Enttäuschung riesengroß“, sagt er.

Seine drei Tore in zwei Spielen reichen vermutlich nicht, um die Rangfolge im Angriff nachhaltig zu verändern. Für die Partie in Bochum scheint Ralf Rangnick, der Trainer des FC Schalke, Ailton zu favorisieren. Der hatte das Erreichen des Halbfinales als Zuschauer von der Ersatzbank aus verfolgt – und war dennoch der meistfotografierte Mann des Abends. Ailton steht immer im Mittelpunkt des Interesses, auch wenn diesmal auf dem Rasen kein Platz für ihn war. Er brauche Raum, um seine Schnelligkeit auszuspielen, lautete die offizielle Version. Von einer Strafe für ein Interview, in dem er seinen Abschied von Schalke angekündigt hatte, war keine Rede. „Wir müssten ja vom Affen gebissen sein, wenn wir ihn wegen solch eines Interviewquatsches draußen ließen“, sagte Rangnick. „Seine Äußerungen waren nicht schlimm, aber auch nicht besonders schlau.“

So sah es auch Frank Rost. Der Mannschaftskapitän hatte Ailton im Namen der Kollegen getadelt. „Ich mag Toni, aber wir können ihn nicht immer nur streicheln.“ Ailton müsse begreifen, dass er keine Ich-AG sei. Fürs Erste scheint die Erziehungsmaßnahme gefruchtet zu haben, nach 90 Minuten auf der Bank gab er sich verständnisvoll. „Schalke ist nicht nur Ailton, die Mannschaft muss auch mal ohne mich gewinnen.“ In Bochum wird er wohl wieder dabei sein. Und Hanke wird sich wieder auf seinem Stammplatz wiederfinden – der Ersatzbank. Ob der junge Mann dafür Verständnis hat? Rangnick ist zuversichtlich. „Toni hat es ja auch verstanden.“

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