Sport : Die WM der Weltveränderer

In einer Township spielen Straßenfußballteams ihren Meister aus und werben für soziale Toleranz

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Seinen Platz in der deutschen Nationalauswahl hat sich Ulas Güleryüz so verdient: Er war immer da, wenn das Projekt ihn gebraucht hat. Bei Turnieren hat er Fotos gemacht und ins Internet gestellt. Außerdem hat der 16 Jahre alte Schüler den Eindruck hinterlassen, dass er auch in Zukunft mithelfen will beim Kreuzberger Bolzplatz-Projekt Klickkicker. Fußball spielen kann er sowieso. Mit der Straßenfußball-Nationalmannschaft durfte er daher zur WM nach Südafrika fliegen.

In Alexandra, einer Township von Johannesburg, findet gerade die etwas andere WM statt. Keine Länder treffen aufeinander, sondern Teams von Weltveränderern. Im deutschen Team spielen junge Leute aus verschiedenen Straßenfußball-Projekten. Fußball ist bei ihnen ein Mittel der Jugendarbeit, um Gewalt vorzubeugen und Bildung zu erreichen. Gespielt wird beim Turnier auch nach besonderen Regeln. „Grätschen geht gar nicht“, sagt Ulas Güleryüz, der später Tischler werden möchte oder Fotograf oder Fußballprofi. Zu jedem Team gehören auch Mädchen, deren Tore doppelt zählen. Im Streitfall entscheidet kein Schiedsrichter, die Mannschaften müssen sich untereinander einigen.

Ausgedacht hatte sich diese Prinzipien Jürgen Griesbeck, mit ihnen konnte er schon in Kolumbien Jugendliche an den Fußball binden und aus einer Gewaltspirale lösen. Als Leiter des Netzwerks Streetfootballworld hat Griesbeck seine Ideen inzwischen in der ganzen Welt verbreitet. Jetzt sind sie in Südafrika angekommen beim Festival „Football for Hope“, der Straßenfußball-WM.

Bei der WM 2006 fand dieses Festival zum ersten Mal statt, es gibt also einen Titelverteidiger, er kommt aus Kenia. Mysa heißt das Team und entstammt einem Projekt aus einem Slum von Nairobi, das angefangen hat mit Fußball und Müllsammeln. Für einen Sieg bekommt die Mannschaft in ihrem Projekt drei Punkte, fürs Müllsammeln aber sechs. Die besten Punktesammler werden mit Schulstipendien belohnt, die sich ihre Familien nie leisten könnten.

„Football for Hope“ ist die soziale Seite der Fußball-WM und der Name der strategischen Allianz zwischen Streetfootballworld und dem Fußball-Weltverband Fifa. „Football for Hope“ soll auch ein Vermächtnis hinterlassen, wenn nach dem Finale am Sonntag die letzten Mannschaften der WM aus Südafrika abgereist sind. Es sind 20 Zentren, die sich über den ganzen Kontinent verteilen, in dieser Hinsicht ist es also wirklich eine afrikanische WM. Fünf dieser Zentren sollen in Südafrika stehen.

Auch in diesen Zentren soll der Fußball wieder ein attraktives Mittel sein, um mehr zu erreichen. Ein Kleinfeld mit Kunstrasen ist das Kernstück, aber es gehören noch ein Bildungsbereich und ein Gesundheitsbereich dazu. Medizinische Versorgung soll dort geleistet werden, vor allem Aufklärung und Prävention von Aids.

Aids ist immer noch ein Tabu und Anlass für Diskriminierung. „Schon ein Besuch im Krankenhaus kann bei den Nachbarn Gerede erzeugen, dass es etwas mit Aids zu tun hat“, sagte Jürgen Griesbeck. In den Fußballzentren soll das aufgehoben werden. „Da finden einfach Testevents statt. Viele Menschen können im Rahmen von Fußballfesten durch einen Aidstest gelotst werden“, sagt Griesbeck, „wenn dann alle getestet werden, gibt es auch keine schiefen Blicke.“

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