Sport : Die WM genießen

Trinidad & Tobago freuen sich vor allem auf das Spiel gegen die ehemalige Kolonialmacht England

Benedikt Voigt

Berlin - Am 15. Juni 2006 wird ein 33. Land bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland teilnehmen: Wales. An diesem Tag werden im Nürnberger Frankenstadion einige grün-weiße Fahnen mit einem roten Drachen zu sehen sein, obwohl auf dem Spielfeld England gegen Trinidad & Tobago antritt. Deren Fahnen sehen anders aus. „Ich bin sicher, dass zahlreiche Fans aus Wales nach Deutschland kommen werden“, sagt ein Mitarbeiter des Wrexham AFC. Wen die Waliser an diesem Tag unterstützen, steht für ihn außer Frage. „Bei Trinidad & Tobago spielen drei aktuelle oder ehemalige Spieler von Wrexham.“ Und außerdem: „Wir können doch nicht England unterstützen.“

Das Duell in der Gruppe B ruft nicht nur in Wales großes Interesse hervor. In Trinidad & Tobago waren nicht nur die Fans begeistert über das Spiel gegen die einstige Kolonialmacht. „Ich bin absolut ekstatisch“, sagte Dwight Yorke dem „Trinidad Guardian“. „Bei der WM dabei zu sein, ist immer großartig, aber gegen England zu spielen, wo ich so lange Fußball gespielt habe und so viele Freunde habe, macht alles noch besser.“ Der 34 Jahre alte Angreifer spielt inzwischen beim FC Sydney in Australien, zuvor stürmte er lange Jahre für Manchester United. Sportlich sind die Verbindungen zwischen England und Trinidad & Tobago sehr eng. 13 Spieler aus dem Kader von Trainer Leo Beenhakker spielen in England, die meisten jedoch in unterklassigen Ligen. Lediglich Torwart Shaka Hislop steht bei West Ham United in der Premier League unter Vertrag.

Finanziell hat sich die Qualifikation für die WM für den Fußballverband Trinidad & Tobagos bereits gelohnt. In Leipzig unterzeichnete der Verband einen Vierjahresvertrag mit einem Sportartikelhersteller für 11,5 Millionen US-Dollar. Sportlich aber wird es in der Gruppe B mit England, Paraguay und Schweden sehr schwer. Trotzdem sagt Jack Warner, Fußballfunktionär in Trinidad & Tobago: „Wir wollen nicht die exotische Blume des Turniers werden, wir wollen in die nächste Runde.“ Auch Yorke glaubt an das Weiterkommen: „Wir wollen nicht dorthin gehen und nur ein Team von vielen sein.“ Andere Mitspieler aber sehen es realistischer. „Wir wollen die WM einfach nur genießen“, sagt Dennis Lawrence. „Wir präsentieren unsere Kultur in Deutschland.“

Der 29 Jahre alte Nationalspieler begann seine Profikarriere erst vor drei Jahren beim inzwischen viertklassigen Wrexham AFC aus Wales. Bis dahin kickte er für Defence Force auf Trinidad. Für den Verteidiger, der beim 1:0 in Bahrain den entscheidenden Treffer für die WM-Qualifikation erzielt hat, erfüllt die WM einen Traum. Lawrence sagt: „10 000 bis 15 000 Fans könnten schon nach Deutschland mitkommen.“ Das wären fast 14 Prozent der Bevölkerung der beiden karibischen Inseln. Womöglich hat Lawrence noch die Begeisterung auf den Inseln nach der WM-Qualifikation in Erinnerung. Das nächste Glücksgefühl erlebte er am Freitag. Als sein Land in Leipzig England zugeordnet wurde. Er sagt: „Es war großartig.“

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