• Die Wochen des Wartens sind vorbei - Ali Daei darf wieder neben Michael Preetz stürmen wie zur Vor-Alves-Zeit

Sport : Die Wochen des Wartens sind vorbei - Ali Daei darf wieder neben Michael Preetz stürmen wie zur Vor-Alves-Zeit

Klaus Rocca

Er hat lange warten müssen. Doch er ertrug die Wartezeit mit Geduld und "einem Stolz ohne Ende" (Trainer Jürgen Röber). Heute ist die Zeit des Wartens abgelaufen. Heute darf Ali Daei von Anfang an dabei sein. Weil er selbst in guter Form ist. Vor allem aber, weil sein ärgster Konkurrent völlig indiskutable Vorstellungen gibt. Wenn Schiedsrichter Claude Colombo aus Frankreich die Champions-League-Partie zwischen Hertha BSC und Sparta Prag (20.45 Uhr, Olympiastadion) anpfeift, sitzt der 15-Millionen-Mark-Einkauf Alex Alves auf der Reservebank, Ali Daei stürmt neben Michael Preetz. Wie zur Vor-Alves-Zeit.

"Ich habe gelernt, zu warten. Das entspricht auch unserer Mentalität", sagt Ali Daei, der Iraner. Er dürfte sich so manches Mal gewundert haben, warum nicht er, sondern Alves auflief. "Es muss wohl am Geld gelegen haben", mutmaßt Daei. Wer lässt schon einen so teuren Brasilianer auf der Bank sitzen. Dabei war Daei der Leidtragende, sein Stürmerkollege Ilija Aracic natürlich auch. Von dem aber spricht keiner mehr.

Als Daei nach der Länderspielreise des Iran aus den USA ins Trainingslager an die Algarve nachreiste, war er nach übereinstimmenden Aussagen Röbers und von Manager Dieter Hoeneß "in Topform". Und er strotzte vor Selbstbewusstsein, weil er blendende Leistungen geboten hatte. Doch all das half ihm nichts. Daei wusste genau, dass er nur zweite Wahl sein würde, wenn die Rückrunde beginnt.

So kam es dann auch. Ali Daei wurde nur eingewechselt, wenn es mit Alves gar nicht mehr zu verantworten war. So wie zuletzt in Leverkusen, nach einer Stunde. Doch als Daei ins Spiel kam, war das Spiel längst gelaufen. "Es war für ihn die Höchststrafe, zu jenem Zeitpunkt zum Zuge zu kommen", gestand Röber. Doch da hatte er wohl schon im Hinterkopf, Daei heute von Anfang an die Chance zu geben. Ein bisschen Spielpraxis kann ja nichts schaden.

Ali Daei spielt eine für ihn kaum befriedigende Saison. Sechsmal eingewechselt, fünfmal wieder vom Platz geholt. Da fällt es schwer, den Trainer mit konstanten Leistungen zu überzeugen. Besonders dann, wenn kaum Flanken von den Außenpositionen kommen. Das war nicht einfach für den Kopfballspezialisten Ali Daei. Doch Röber ("Der ist auch vom Charakter her ein Riesentyp") meint, Daei habe sich auch "am Boden verbessert". Vielleicht erinnerte er sich dabei auch an das großartige Tor des Iraners beim 1:1 in Mailand, diesen Gewaltschuss aus spitzem Winkel. Und Alves? Röber trifft es nicht, dass Hertha so viel Geld in eine Verstärkung des Angriffs investiert hat und nun doch wieder auf das alte Sturmduo Preetz/Daei setzt: "Wir wären der erste Verein gewesen, bei dem es mit einem neuen Brasilianer auf Anhieb geklappt hätte."

Nicht nur im Sturm variiert der Trainer heute, auch in der Defensive. Dort wird Marko Rehmer wegen einer Oberschenkelzerrung fehlen. Weitaus spektakulärer ist, dass Kjetil Rekdal durch Dick van Burik als Libero ersetzt wird. Rekdal, der bisherige Mannschaftskapitän, wird künftig ohnehin einen ganz schweren Stand haben. Ihm wurde mitgeteilt, dass sein Vertrag über das Saisonende hinaus nicht mehr verlängert wird. Das überraschte niemanden mehr, auch Rekdal nicht: "Ich wusste doch, was hinter den Kulissen gespielt wurde."

Für den Norweger dürfte es weniger schwer werden, einen neuen Verein zu finden, als sich für die Teilnahme an der kommenden Europameisterschaft zu empfehlen. Röber erklärte zwar, Rekdal könne sich über gute Trainingsleistungen für eine Wieder-Berücksichtigung aufdrängen. Daran zu glauben, fällt schwer. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass es um die persönlichen Beziehungen zwischen Trainer und Kapitän nicht zum Besten bestellt ist.

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