• „Die wollen nicht neben mir sitzen“ Wie ein österreichischer Tennisfan auf dem Center Court auffällt

Sport : „Die wollen nicht neben mir sitzen“ Wie ein österreichischer Tennisfan auf dem Center Court auffällt

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Herr Rescheneder, Sie sehen mit Ihrer Fahne und dem rot-weiß-roten Stirnband nicht aus wie der durchschnittliche Tennisfan bei den German Open. Haben Sie sich verlaufen? Wollten Sie zum Fußball?

Als Österreicher? Das ist keine gute Frage. Ich komme aus Wien, da hat euer Lothar Matthäus Rapid Wien gerade auf den achten Platz geführt. Nein, ich bin Tennisfan.

Da konnten Sie bei den German Open ja nur Barbara Schett anfeuern.

Ja leider, Barbara Schwarz ist gerade verletzt. Wie in Deutschland ist Tennis auch bei uns rückläufig, seit Thomas Muster aufgehört hat.

Sind Sie extra wegen Barbara Schett aus Wien angereist?

Ich war auch schon beim Turnier in Hamburg. Ich habe mir zwei Wochen Urlaub genommen und übernachte hier bei Freunden. Die wollen sich allerdings nicht hier mit mir sehen lassen.

Ist denen Ihre Kostümierung peinlich?

Die wollen nicht neben mir sitzen, weil ich meistens im Fernsehen gezeigt werde, wenn ich so aussehe wie heute. Das hier ist meine Top-Ausrüstung, mit Österreicher-Hand und rot-weiß-roten Indianerfedern.

Glauben Sie das hilft?

Ich spiele selber Tennis und weiß: Wenn jemand immer nur bei den Punkten von einem Spieler klatscht, geht das dem anderen sehr auf den Geist. Und hier bin ich es halt, der immer klatscht. Was die anderen Spielerinnen denken, ist mir egal, Hauptsache die Schett gewinnt.

Gestern trugen Sie ein rot-weiß-rotes Stirnband, das an jene Kunststoffbänder erinnert, mit denen die Polizei einen Tatort absperrt.

Das war eine US-amerikanische Flagge, die ich so gefaltet habe, dass nur rot-weiß-rot zu sehen ist. Wenn Jennifer Capriati spielt, zeige ich die ganze Fahne.

Ach, Sie unterstützen auch andere Nationen?

Weil Barbara Schett hier im Doppel mit Jennifer Capriati spielt. In Hamburg hat sie mit Martina Hingis im Doppel gespielt, da habe ich auf meine österreichische Fahne noch einen weißen Streifen draufgeklebt, dann war das die Schweizer Fahne.

Und wenn zum Beispiel die Deutsche Barbara Rittner mit Barbara Schett spielen würde?

Dann wäre ich Rittner-Fan. Man muss flexibel sein.

Aber gegen Serena Williams hat auch Ihre Unterstützung Barbara Schett nichts genützt.

Die Ami-Mädels haben zu viel Power. Die können sich nur selber schlagen, wenn sie zu viele Bälle ins Out setzen.

Zu wem halten Sie für den Rest des Turniers?

Zu niemandem. Weil ich mir schon gedacht habe, dass Schett gegen Serena Williams verliert. Deshalb reise ich ab.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt.

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