Sport : Die Wüste bebt

Manchester City spielt eine enttäuschende Saison – die Klubeigentümer aus Abu Dhabi verärgert das

Raphael Honigstein[London]

Mark Hughes war ein harter Spieler, doch als Trainer ist der 45-jährige Waliser ein Freund der leisen Worte. Äußerst distanziert und beinahe ein bisschen schüchtern wirkt der Waliser vor den Mikrofonen, markige Sprüche sind nicht sein Metier. In den vergangenen Wochen sah man ihm an, wie schwer es fiel, ständig Manchester Citys unbefriedigende Ergebnisse erklären zu müssen. Unter der Woche wurde bereits gemunkelt, die Eigentümerfamilie aus Abu Dhabi hätte den ehemaligen Manchester-United-Stürmer zu einem Krisengespräch in die Wüste bestellt – in der Absicht, den erfolglosen Coach danach zu entlassen.

Hughes saß am zweiten Weihnachtstag dann aber doch wieder im City of Manchester Stadium auf der Bank, und er hatte gleich doppelt Glück. Seinem Team gelang zum einen ein überzeugender 5:1-Sieg gegen Hull City, mit dem es die Abstiegszone hinter sich ließ, und zum anderen war er hinterher ausnahmsweise mal nicht der gefragteste Mann, weil Kollege Phil Brown mit einer in der Geschichte des englischen Fußballs unerhörten Aktion die Schlagzeilen monopolisierte. Der Trainer von Hull hatte seine Spieler in der Pause beim Stand von 4:0 für die Gastgeber nicht in die Kabine gelassen, sondern die Halbzeitbesprechung öffentlich auf einem Stück Rasen in Nähe des Gästeblocks abgehalten. „Es war schön kalt da draußen“, sagte Brown, „ich dachte, das könnte die Jungs am Leben halten. Denn in der ersten Hälfte waren wir halbtot. Außerdem dachte ich, dass wir den 3000 bis 4000 Hull-Fans eine Entschuldigung schuldig waren. Unsere Leistung war inakzeptabel.“

Ähnlich dürften die ambitionierten Eigentümer von Manchester City in den vergangenen Wochen auch über ihre Mannschaft gedacht haben. Hughes war bis zum Freitag kein Sieg im Dezember gelungen; eine Reihe von beschämend schlechten Ergebnissen des theoretisch reichsten Vereins der Welt – die in dem Golfemirat herrschende Al-Nahjan-Familie verfügt nach Schätzungen über 700 Milliarden Euro – hatte den Klub bis auf Platz 18 in der Tabelle abstürzen lassen.

Hughes gab zu, dass die Formschwäche der Mannschaft die Verpflichtung von neuen Spielern im Januar erschwerte: „Wir stehen im Fokus der Öffentlichkeit, aber nicht so, wie wir es wollen. Es gibt viele Menschen, denen es Spaß bereitet, uns verlieren zu sehen.“

Der französische Mittelfeldspieler Lassana Diarra (Portsmouth) unterschrieb vor wenigen Tagen lieber für weniger Geld bei Real Madrid, ein Wechsel zu City erschien ihm in der derzeitigen Liga zu riskant. Der ebenfalls neu von Madrid unter Vertrag genommene Stürmer Klaas Jan Huntelaar hatte genau wie Stuttgarts Mario Gomez schon am 1. September, dem Tag der Übernahme durch die Abu Dhabi United Group for Development and Investment, ein finanziell extrem lukratives Angebot von City aus geschlagen. „Das wäre Karriereselbstmord“, hatte der Niederländer damals abschätzig geurteilt.

Hughes ist trotz der vielen Millionen auf dem Konto in einer schwierigen Situation. Als Trainer der Blackburn Rovers reüssierte er mit urbritischem Kampffußball, nun soll er einen im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht zum (potenziellen) Spitzenverein aufgestiegenen Klub mit brasilianischen Superstars wie dem 40-Millionen-Euro-Mann Robinho nach vorne bringen. Dazu tragen Spieler- und Trainerberater aus aller Welt mit Falschmeldungen täglich Unruhe in den Verein. Wer wie die Scheichs bereit ist, schon am ersten Tag eine Handvoll Spitzenkräfte zu verpflichten, dürfte bald darüber nachdenken, auch für den Platz auf der Bank eine echte Koryphäe zu holen, wird auf der Insel spekuliert.

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