Sport : Die Wunden von Leverkusen

Trauer nach Neuvergabe des WM-Quartiers

Robert Ide

Berlin - Reiner Calmund holt tief Luft. „Man muss das akzeptieren“, sagt der langjährige Manager von Bayer Leverkusen. Gerade hat ihn die Nachricht erreicht, dass die Fußball-Nationalmannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann bei der WM 2006 ihr Quartier nicht wie verabredet in Leverkusen einrichten wird, sondern in Berlin. „Ich habe Verständnis dafür, dass Klinsmann einen Neuanfang wagen will“, sagt Calmund. Der Manager versucht sich zurückzuhalten, denn er ist seit kurzem offizieller Botschafter der WM. Aber ganz kann er seine Trauer nicht bremsen: „Ich bin und bleibe Leverkusener, und als solcher bin ich schwer enttäuscht.“

Leverkusen hatte die WM-Vorbereitungen von Anfang an begleitet. Die erste Sitzung des Bewerbungskomitees fand in der Bayarena statt, den ersten Sponsorbeitrag zahlte die Bayer AG; Insider sprechen von vier Millionen Mark. Für all das hatte sich Leverkusen das WM-Quartier gewünscht – und der DFB hatte das zugesagt. Calmund denkt wohl an all diese Dinge, wenn er sagt: „Jetzt gibt es plötzlich ein abruptes Ende. Das tut den Menschen in unserer Region sehr weh.“

Nach dem Rücktritt des alten Bundestrainers Rudi Völler hatte sich die Quartierfrage zum Streitpunkt im DFB entwickelt. Vor allem der neue Verbandspräsident Theo Zwanziger hatte sich für die alte Vereinbarung ausgesprochen. Klinsmann dagegen hatte die Mannschaft befragt – und die sprach sich gegen Leverkusen aus. Bei der Präsidiumssitzung am Donnerstag gab Zwanziger seinen Widerstand auf. „Die Lösung Berlin fasziniert mich“, sagte er danach. „Es ist wichtig, dass wir uns nicht vor Gericht, sondern auf vernünftigem Weg geeinigt haben.“

In Funktionärskreisen wird eine Kompensation für Leverkusen erwogen, etwa die Ausrichtung zweier Länderspiele in der Bayarena. Die Verantwortlichen wollen darüber aber nicht reden. „Wir sind fair und sagen: Herzlichen Glückwunsch, Berlin!“, sagt Meinolf Sprink, der Sportbeauftragte bei Bayer. Viele WM-Planungen dürften jetzt hinterfragt werden, etwa die Standorte der Pressezentren. In Dortmund sollte ein größeres Pressezentrum für den Westen der Republik entstehen. Insider rechnen hier nun mit einer deutlich geringeren Auslastung.

Reiner Calmund, der WM-Botschafter aus Leverkusen, will sich zu all diesen Fragen nicht äußern. „Ich bin sehr aufgewühlt“, sagt er am Telefon. „Deshalb schweige ich jetzt lieber.“

Seiten 1 und 9

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