Sport : Die Zeit der Blüte

Britta Büthe und Karla Borger überraschen bei der Beachvolleyball-WM mit Silber.

Felix Meininhaus
Auftrieb im Sand. Britta Büthe (l.) und Karla Borger mussten sich bei der WM nur im Finale den Chinesinnen Chen Xue und Xi Zhang geschlagen geben. Foto: dpa
Auftrieb im Sand. Britta Büthe (l.) und Karla Borger mussten sich bei der WM nur im Finale den Chinesinnen Chen Xue und Xi Zhang...Foto: dpa

Als alles vorbei war, drehte sich Britta Büthe vom Netz weg und suchte Blickkontakt zu ihrer Partnerin Karla Borger. Dann schritten die beiden Beachvolleyballerinnen langsam aufeinander zu und nahmen sich in die Arme. Lang und intensiv, beide benötigten Trost. Das Duo aus Stuttgart hatte alles gegeben und war kurz davor gewesen, die größte Sensation zu schaffen, seit es Weltmeisterschaften auf Sand gibt. Noch nie hatte ein Team aus Europa bei einer WM das Finale erreicht, nun waren die beiden Deutschen im Endspiel auch noch kurz davor gewesen, im polnischen Stare Jablonki gegen die Chinesinnen Chen Xue und Xi Zhang den letzten Schritt zu tun. Beim Stande von 14:13 im dritten Satz hatten Borger/Büthe einen Matchball, vergaben ihn, wehrten in einer dramatischen Schlusssequenz fünf Matchbälle ab, bevor sie sich in das Schicksal fügen mussten. Am Ende blieb nach einem hochklassigen Schlagabtausch ein 1:2 (21:18, 17:21, 19:21) – und Silber.

Es hätte durchaus auch anders ausgehen können, wenn die 25-jährige Britta Büthe und ihre 24-jährige Partnerin im Tiebreak einen 4:1 und 11:9-Vorsprung über die Ziellinie gebracht hätten. Doch die beiden Profis müssen sich nicht grämen, auch so ist das, was sie in Polen abgeliefert haben, als fantastisch einzustufen. „Natürlich sind wir jetzt erst einmal ein bisschen traurig“, sagte Britta Büthe, „immerhin waren wir so nah dran und haben es dann nicht geschafft.“

Olympiasieger Julius Brink, der einen Einsatz bei der WM verletzungsbedingt hatte absagen musste, meldete sich aus der Heimat. „Eine grandiose Leistung“, sagte er, „es hat mich total gefreut für die Beiden, auch wenn es nicht für ganz oben gereicht hat, können die beiden sehr, sehr stolz auf sich sein.“ Von Position 17 aus ins Rennen gegangen, wurde der Vorstoß von Borger und Büthe in die Weltklasse mit 45 000 Dollar Preisgeld und 450 Weltranglistenpunkte belohnt. Das Duo bestreitet zwar bereits seine vierte gemeinsame Saison, ist aber eigentlich immer noch in der Phase des Wachstums. Die Zeit der Blüte soll erst noch kommen, und dafür nehmen die beiden Profis eine Menge Entbehrungen auf sich.

Karla Borger berichtet von den vielen Reisen zu Turnieren auf der World Tour, bei denen das junge Duo vor allem nach frühen Niederlagen die Einsamkeit spürte: „Letztes Jahr in Moskau haben wir noch die Ballroller gebeten, ein paar Aufschläge auf uns zu machen.“

Seit November letzten Jahres hat sich die Situation grundlegend verbessert. Und zwar in Person des spanischen Trainers Guillermo Hernandez. Jeden Tag einen Vollzeitcoach um sich zu haben, empfinden Borger und Büthe als ungeheuren Luxus. Auch sonst arbeiten Borger/Büthe daran, ihr Umfeld zu professionalisieren. So haben sie seit einem halben Jahr Atika Bouagaa als Managerin in ihrem Team. Die ehemalige Hallennationalspielerin soll bei Sponsoren die Türen öffnen. Bislang ist das noch nicht mit durchschlagendem Erfolg gelungen, aber die tollen Auftritte bei der WM könnten daran ja etwas ändern. „Wenn es da draußen jemanden gibt, der von unseren Auftritten begeistert ist“, sagt Karla Borger mit dem für sie so typischen Grinsen, „darf er sich gerne bei uns melden.“

Medaillenchancen hat auch noch das deutsche Männerteam Jonathan Erdmann und Kay Matysik. Das Duo aus Berlin zog durch ein souveränes 2:0 (21:17, 21:19) gegen die Brasilianer Vitor Felipe und Evandro ins heutige Halbfinale ein. Dort warten die Niederländer Brouwer/Meeuwsen. Was den Turniermodus betrifft, zeigt sich Jonathan Erdmann hervorragend vorbereitet und kann deshalb auch genau formulieren, was das Ziel ist: „Ich glaube, es werden hier drei Medaillen vergeben, eine davon wollen wir haben.“ Und, welche soll es denn sein? „Am liebsten die, die am meisten glänzt – also die goldene.“

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