Sport : Die Zeit der Dominanz

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Die älteren unter den Lesern werden es noch wissen: Es gab mal eine Zeit, in der Michael Schumacher im Ferrari fast jedes Formel-1-Rennen gewann. Daran sei aus zwei aktuellen Anlässen erinnert: Sebastian Vettel siegt die Formel 1 wie einst sein Kindheitsidol an den Rand der Langeweile, und in der Fußball-Bundesliga schickt sich der FC Bayern München an, die Saison schumigleich ähnlich früh uninteressant zu gestalten. Schumachers schier unendliche Siegesserie führte damals zu umfassenden Regeländerungen, die seinen Ferrari ausbremsen sollten. Muss man also auch Vettel und den Bayern die Flügel stutzen?

Letztere tun das glücklicherweise schon selbst. Einerseits sind sie sich bewusst darüber, dass sich der Reiz des Sports aus dem Duell speist, zu dem es mindestens einen halbwegs gleichwertigen Gegner braucht. Deswegen lassen sie weiterhin gönnerhaft die Verteilung der Fernseheinnahmen mit der Gießkanne zu, anstatt sich wie der FC Barcelona oder Real Madrid in Spanien einzeln unbesiegbar zu vermarkten. Andererseits zahlen die Bayern regelmäßig den Preis für ihre vielen Nationalspieler. Ihre großen Jahre liegen wie jetzt meist direkt vor großen Turnieren, dafür erfolgt im Zweijahresrhythmus nach EM oder WM der Einbruch der ausgelaugten Stars und lässt Raum für die VfBs, BVBs oder VfLs dieses Landes, um auch mal einen Titel abzustauben.

Das Verfallsdatum von Vettels Dominanz ist nicht ganz so leicht zu berechnen. Auch in der kommenden Saison hat er einen Startvorsprung, weil sein Rennstall den neuen Wagen auf der Basis seines bewährten Autos entwickeln kann. Doch die Formel 1 hat aus der noch gar nicht so weit entfernten Vergangenheit gelernt. Eine schumacherhafte Langeweile über ein halbes Jahrzehnt hinweg ist zumindest unwahrscheinlich. Sollten Vettel und Red Bull auch 2012 weiter auf Schumachers Pfaden rasen, wird es die Regelhüter wohl schon bald wieder in den Fingern jucken.

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