Die Zeit läuft ab : Schalke spielt in Istanbul und plant ohne Keller

Nach dem Punktgewinn in Mainz ist die Laune bei den Schalkern spürbar gestiegen. Dennoch wird bereits an einer Zukunft ohne Jens Keller gearbeitet.

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Jens Keller braucht Siege gegen die Kritiker. Doch davon gab es zuletzt zu wenige.
Jens Keller braucht Siege gegen die Kritiker. Doch davon gab es zuletzt zu wenige.Foto: dpa

Es ist erstaunlich, wie ein gefühlter Aufschwung die Stimmung einer Fußballmannschaft verändern kann. Die Laune der Protagonisten des FC Schalke 04 war einen Tag vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Galatasaray Istanbul jedenfalls bestens. Der glückliche Punktgewinn beim FSV Mainz 05 am vergangenen Wochenende in der Bundesliga hat sich positiv auf die Laune von Spielern und Verantwortlichen ausgewirkt. „Wir haben gezeigt, dass die Mannschaft lebt“, sagte Torhüter Timo Hildebrand.

Die europäische Königsklasse soll als eine Art Gesundbrunnen für die Gelsenkirchener wirken. Die Sorgen der vergangenen Alltagswochen in der Bundesliga sollen hinter den positiven sportlichen Ergebnissen in der Champions League zumindest für einen Tag verblassen. „Wir sind hier in einer anderen Welt“, sagt Horst Heldt. Der Manager der Schalker scheint die zumindest kurzfristige Leichtigkeit zu genießen. „Warum sollten wir hier auch Trübsal blasen. Dafür gibt es keinen Grund“, so Heldt. Durch die Vorrunde war die Mannschaft ohne Niederlage gegangen und hatte diese vor dem großen Favoriten FC Arsenal als Gruppensieger beendet. „Mehr muss man von dieser Mannschaft gar nicht wissen“, sagt auch Galatasaray-Trainer Fatih Terim vor der Partie.

Der „Imperator“, wie Terim wegen seiner schier grenzenlosen Autorität in der Türkei genannt wird, weiß, dass sein Team nicht zuletzt wegen der jüngsten Neuzugänge Didier Drogba und Wesley Sneijder als Favorit gilt. Gefallen daran findet er allerdings nicht, weil er „eine gefährliche Schalker Mannschaft“ erwartet. Das Team aus dem Ruhrgebiet geht jedenfalls mit großer Zuversicht in die Begegnung. „Ich spreche da auch im Namen meiner Kollegen. Wir freuen uns sehr auf das Spiel“, sagt Hildebrand. Der 33-Jährige entwickelt besondere Emotionen mit Blick auf die Begegnung. „Vor eineinhalb Jahren war ich noch arbeitslos, jetzt spiele ich wieder in der Champions League. Ich weiß gar nicht, ob es so etwas im Fußball schon einmal gegeben hat. Das macht mich auch ein bisschen stolz.“ Selbst Jens Keller hatte am Dienstag gute Laune. Für ihn ist es die erste Partie auf diesem Niveau als Verantwortlicher. „Wir freuen uns auf solche Spieler wie Drogba und Sneijder“, sagte der Trainer.

Dennoch wird der Druck auf Keller in den kommenden Wochen kaum abnehmen. Die Zeit des Interimstrainers dürfte spätestens mit Ablauf der Saison beendet sein. Horst Heldt hatte dies zuletzt so zu verstehen gegeben und er dürfte wenig Kritik für diese Entscheidung ernten. „Alles Spekulation“, wiegelt der Manager derweil die Diskussionen um Jupp Heynckes geschickt ab. Eine absurdes und aus der Welt der Fantasie gegriffenes Thema scheint ihm demnach nicht unterbreitet worden zu sein. Und auch Heynckes selbst will zum jetzigen Zeitpunkt nichts ausschließen. „Ich nehme es zur Kenntnis“, sagt der Bayern-Trainer, „ich werde bis Saisonende nichts zu meiner Zukunft sagen.“ Er weiß, dass er eine äußerst begehrte Person auf dem Trainermarkt ist, da er am Saisonende beim FC Bayern München ausscheidet.

Vor zehn Jahren war der heute 67-Jährige schon einmal bei den Schalkern beschäftigt, verließ den Klub damals jedoch im Streit vor allem mit dem ehemaligen Manager Rudi Assauer. Sein Ehrgeiz und sein Selbstverständnis könnten Heynckes dazu treiben, es noch mal allen auf Schalke zeigen zu wollen. Dass er in Rente geht, dass glaubt wohl nicht einmal er selbst.

In Istanbul geht es für die Schalker zunächst einmal darum, zu sich selbst zurückzufinden und ihr Selbstbewusstsein wieder gänzlich aufzubauen. Es ist wie mit der guten Laune im Fußball. Manchmal reichen nur ein Spiel und ein überraschender Sieg aus, um die alte Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Die Hoffnung der Schalker auf diesen unerklärbaren Effekt ist vor dem Champions-League-Duell mit Galatasaray jedenfalls groß.

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