Sport : Die Zugmaschine: Die Promoter boxen mit

Benedikt Voigt

Das erste Mal meldeten sich die Fans, als der Sprecher in der Max-Schmeling-Halle die Spieler vorstellte, die gegen Moskau beginnen sollten. "Sven Schultze", rief ein Häuflein Anhänger von Alba Berlin vor dem Halleneingang leise. Später, als der angesprochene einen Dreipunktewurf getroffen hatte, schrieen sie mutiger: "Sven Schultze." Weil die Anhänger des deutschen Basketballmeisters normalerweise Leistungsträger wie Wendell Alexis oder Publikumslieblinge wie Jörg Lütcke und Teoman Öztürk feiern, musste der Flügelstürmer später den Journalisten erklären, wer da seine Stimmbänder strapaziert hatte. "Keine Ahnung", sagte Schultze. "Das waren jedenfalls nicht meine Freunde."

Noch muss sich Sven Schultze verteidigen,wenn jemand seinen Namen ruft. Obwohl der 22-jährige durch Verletzungsprobleme bei Alba Berlin in den letzten fünf Spielen den Sprung in die Startformation geschaffthat, gilt er immer noch als ein Nachwuchsspieler. "Das war nur Garris, Stipo Papic und Sven Schultze sind fest im Albakader", erklärt Carsten Kerner die Situation der jungenSpieler. Tommy Thorwarth zählt zum erweiterten Kader." Während Sven Schultzezuletzt immer besser zurechtkam, läuft dergleichaltrige Papic der Form des letzten Jahres hinterher. Der 21-jährige Garris macht die Fahrt zum heutigen Auswärtsspiel in der Suproleague bei Pan. Athen (20.30 Uhr,live auf Info-Radio) gar nicht mit,weil er sich nach einer Knieverletzung noch imAufbautraining befindet. Bei Alba ist man dennoch mit der Situation der Nachwuchsspieler zufrieden.

"Man darf das nicht nach Monaten beurteilen, sondern nach Jahren", sagt der Manager, "und man darf von ihnen keine Wunder erwarten." Spieler wie der 19-jährige Russe Andrei und Kirilenko, der in der vergangen Woche gegen Alba 23 Punkte und 16 Rebounds verzeichnete, seien Ausnahmetalente. "Das ist nicht Ausdruck kontinuierlicherArbeit", findet Kerner, "das ist Glück, wenn man so einen finden." Bei Nachwuchsspielern gehe die Entwicklung langsamer und in Schüben von sich. "Stipo Papic hat im letzten Jahr so einen Sprung gemacht", sagt Kerner.

In diesem Jahr ist es Sven Schultze. "Wir haben viele Verletzte, deshalb kriege ich jetzt eine Chance", sagt der ehemalige Bamberger, "und ich trainiere gut." Auch hilft dem 2,06 m großen Flügelspieler, das er in Emir Mutapcic einen Trainer hat, der ihn schon von TuS Lichterfelde kennt und um seine Stärken und Schwächen weiß. "Das ist sicher ein Vorteil", bestätigte Schultze. Zweimal stand Schultze in der Suproleague bereits in der ersten Fünf. Seine durchschnittliche Spielzeit von zehn Minuten nutzte er zu 3,8 Punkten und 2,2 Rebounds. Die Leistung von Stefano Garris lässt sich auf Grund seiner Verletzung noch nicht beurteilen.

"Die Jungen drängeln ja auch", erklärt Kerner den Entschluss, Papic, Schultze und Garrit ins aktuelle Alba-Team zu nehmen. "Das ist die konsequente Umsetzung unseres Nachwuchskonzeptes." Dieses sieht vor, dass sich die jungen Spieler erst beim mit einem Kooperationsvertrag verbundenen Zweitligisten Lichterfelde entwickeln, ehe sie endgültig zu Alba Berlin wechseln.

Stipo Papic hat diesen Schritt gerade vollzogen. Der Centerspieler sieht darin auch den Grund dafür, dass er noch nicht an die Leistung des vergangenen Jahres anknüpfen kann. "Wenn ich im letzten Jahr bei Alba schwächer spielte und dann bei Lichterfelde 20 Punkte machte, hat keiner über mein schlechtes Spiel geredet." Nun aber fange er nach jedem Spiel das Nachdenken an, was er falsch gemacht habe. Kerner sagt: "Lichterfelde war für Stipo ideal, da konnte er sich ausprobieren."

Weil Papic erst als Teenager mit Basketball angefangen hat, ist Trainer Emir Mutapcic weiterhin optimistisch: "Stipo wird sich erst später entwickeln." Das sieht Papic übrigens genauso. "Ich habe mich noch nicht ganz aufgegeben", sagt der Forward lachend. Es könnte sein, dass irgendwann auch sein Name in der Max-Schmeling-Halle gerufen wird.

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