Sport : Die Zukunft denken

Wolfsburgs Torschütze Helmes rechtfertigt seine überraschende Rückkehr. Trainer Magath rotiert weiter unkonventionell – und könnte nun Cissé holen

Richard Leipold[Köln]
Verweile doch, du trifftst so schön! Hasan Salihamidzic fordert Wolfsburgs zweimaligen Torschützen Patrick Helmes (l.) zum Bleiben auf, doch der könnte trotzdem gehen. Foto: Reuters
Verweile doch, du trifftst so schön! Hasan Salihamidzic fordert Wolfsburgs zweimaligen Torschützen Patrick Helmes (l.) zum Bleiben...Foto: REUTERS

Maßnahmen und Methoden des Fußball-Lehrers Felix Magath sind oft unkonventionell und auch ein wenig umstritten. Der Trainer des VfL Wolfsburg liebt es, Personal und Publikum zu überraschen, indem er Entscheidungen trifft, mit denen niemand rechnet: Etwa wenn er Spieler von der Ersatzbank oder von der Tribüne in die Startelf rotieren lässt oder umgekehrt; wenn er die Struktur und die Hierarchie in der Mannschaft verändert. Die Wirkung solcher Maßnahmen bekamen beim Bundesliga-Auftakt nicht nur seine Gefolgsleute zu spüren, sondern auch die Profis des 1. FC Köln und deren neuer Trainer Stale Solbakken. Beim 0:3 im eigenen Stadion sahen sich die Rheinländer dem VfL meist hoffnungslos ausgeliefert.

Den ersten Zug hat der Schachfreund Magath mitten in der Woche gemacht. Er setzte Marcel Schäfer als Kapitän ab, weil er aus der Pokal-Blamage gegen den Viertligaklub RB Leipzig den Schluss gezogen hatte, einen neuen Impuls geben zu müssen. Ein paar Tage ließ der Trainer, der auch Sportdirektor und Geschäftsführer ist, die Fußballwelt darüber im Ungewissen, wer denn Schäfers Nachfolger werde. Am ersten Spieltag in Köln lüftete Magath das Geheimnis und ernannte Christian Träsch zum Spielführer, den Spieler also, der in der Sommerpause als (vorerst) letzter nach Wolfsburg gewechselt war, Verein und Mannschaft am wenigsten kennt.

Aufgrund der späten Bekanntgabe blieb für öffentliche Debatten keine Zeit. Träsch, für rund zehn Millionen Euro Ablöse vom VfB Stuttgart gekommen, führte die Mannschaft prompt zum Sieg. Und der ausgebootete Schäfer erzielte das zweite Tor, das die letzten Zweifel am nur kurzzeitig gefährdeten Wolfsburger Erfolg beseitigte; es war sein erster Bundesligatreffer nach drei Jahren. Magath konnte sich bestätigt sehen, zumal er seine – auch für Träsch – überraschende Wahl durchaus zu begründen wusste. „Ich wollte als Kapitän einen neuen Spieler, weil mir in Wolfsburg, im Verein und auch in der Mannschaft, noch zu viel an die vergangene Meisterschaft gedacht wird.“ Demnach hatte Magath sich nicht gegen Schäfer entschieden, sondern gegen ein Denken, das zu stark vom zwei Jahre zurückliegenden Titelgewinn geprägt war. Mit dem neuen Kapitän wolle er unterstreichen, dass der Blick in die Zukunft gerichtet sein müsse, sagt der Trainer.

In Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft bewegt sich auch Patrick Helmes, ein Stürmer, den in Wolfsburg mancher schon abgeschrieben hatte. Doch es gehört zu Magaths Repertoire, solche Spieler zurückzuholen, wenn der Anlass es nahelegt und sie ihm nützlich sein können. Weil sie Druck auf Profis ausüben, die zuvor enttäuscht haben. Eine solche Gelegenheit bot die Dienstreise nach Köln, an den Ort also, wo Helmes sich als Stürmer einen Namen gemacht hatte und sogar zum Nationalspieler aufgestiegen war. „Spieler, die gegen ihren früheren Klub antreten, sind immer besonders motiviert“, sagte Magath. Deshalb habe er den 27 Jahre alten Helmes anstelle von Srdjan Lakic aufgestellt. Auch hier lag er richtig. Helmes, zuvor 168 Tage ohne Treffer, trug mit zwei Toren zum Erfolg bei.

Ob die beiden Männer über den Tag hinaus beruflich zusammenfinden, bleibt jedoch unklar. Wolfsburg hat offenbar Interesse an Papiss Demba Cissé, der die vergangene Saison als zweitbester Bundesligaschütze beendet hatte. Der Stürmer, der in Freiburg unter Vertrag steht. „Ich habe noch nicht mit Herrn Magath gesprochen“, sagt er, „das machen derzeit meine Berater.“ Nach Medienberichten pendeln sich Angebot und Nachfrage bei der Ablöse derzeit zwischen zwölf und fünfzehn Millionen Euro ein. Sollten die Klubs sich einigen, würde das Gedränge im Wolfsburger Angriff noch größer. Auch Srdjan Lakic und Mario Mandzukic beanspruchen einen Stammplatz beim VfL. Und Helmes? „Er hat sich mit seiner Leistung gegen Köln empfohlen“, sagt Magath, „wenn er dieses Niveau mindestens hält, dann steht weiteren Einsätzen nichts entgegen.“ Fragt sich nur, für welchen Verein.

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