Sport : Die Zukunft spielt vor

Claus Vetter

Peter John Lee bekam am Mittwochabend einen Anruf aus Kanada. „Glückwunsch“, rief ein mit Lee befreundeter Eishockey-Manager in den Hörer, „unglaublich, was ihr da in Schweden veranstaltet.“ Schweden? „Ich bin in Davos“, antwortete Lee. Doch der Manager des Deutschen Meisters wusste, worum es ging: Während die Eisbären mit einer – von Ausländern dominierten Profitruppe – beim Einladungsturnier um den Spengler-Cup spielen, haben sieben ihrer jungen Deutschen bei der U-20-Weltmeisterschaft in Schweden internationale Kräfteverhältnisse erschüttert: Zuerst besiegte Aufsteiger Deutschland Ex-Weltmeister USA, dann den Favoriten Slowakei.

Zwei Überraschungen an zwei Tagen, das gibt es im Eishockey selten. Schon gar nicht auf WM-Niveau. Die deutschen Ergebnisse von Schweden sind erste Ergebnisse akribischer, perspektivisch angelegter Arbeit, die in Köln, Mannheim und eben in Berlin seit einiger Zeit betrieben wird. Nie gab es so viele junge Deutsche in der Deutschen Eishockey-Liga wie zurzeit und nie waren sie in der seit dem Bosman-Urteil von Ausländern dominierten Klasse so gut wie heute. Die Klubs lassen sie spielen, weil sie viel Geld in die Ausbildung investieren. Von der Jugend werden Tore erwartet, nicht Mitläufertum. Und der Kampf mit den ausländischen Profis fordert und fördert: Die jungen Deutschen könnten als erfahrene Spieler helfen, dass bei der WM 2010 im eigenen Lande für Deutschland mehr möglich ist als eine Nebenrolle.

Bei der U-20-WM in Schweden treffen sich die kommenden Stars. Schon deshalb schauen dort mehr Funktionäre zu als beim Spengler-Cup. So erklärt sich der Anruf bei Peter John Lee. Die Eisbären haben gestern veranlasst, dass einer ihrer Trainer nach Schweden reist. Denn dort spielt ihre Zukunft. Während in Davos wohl bald ihre Vergangenheit gespielt hat.

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