Sport : Die Zukunft trifft schon

Die Eisbären haben auf den Nachwuchs gesetzt – und werden dafür belohnt

Claus Vetter

Berlin - Für Benoit Laporte ließ sich das Ergebnis, das am Dienstag nach 60 Spielminuten Eishockey von der Videotafel im Sportforum leuchtete, einfach erklären. Eisbären 3, Ice Tigers 0 stand dort, weil, wie Nürnbergs Trainer fand, „Berlin auch ohne vier Topspieler genauso gut war wie mit den vier Topspielern“. Seine Nürnberger seien dagegen eine „ganz andere Mannschaft gewesen“, sagte Laporte, „weil uns vier Leistungsträger gefehlt haben“. Und die „andere Mannschaft“ hatte dem Tabellenführer aus Berlin zwei Spieltage vor Ende der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht das entgegenzusetzen, was man von einem Tabellendritten erwarten konnte.

Tatsächlich musste Berlins Trainer Pierre Pagé gegen Nürnberg auf die Verteidiger Derrick Walser (Leistenzerrung) und Frank Hördler (Grippe) verzichten und gönnte sich obendrein den Luxus, auch die gesunden Stürmer Sven Felski und Florian Busch nicht einzusetzen. Was Felski „nicht so ganz verstand“, wie er sagte. Pagé allerdings hatte seinen beiden Nationalspielern nach den Strapazen der Olympiateilnahme ein „Aufbautraining“ verordnet, wie er sagte. Der freiwillige Verzicht auf zwei ihrer besten Stürmer macht die Eisbären zur Ausnahmeerscheinung in der DEL – erst recht kurz vor den Play-offs im Gerangel um eine gute Ausgangsposition im Tableau. Doch die Eisbären können sich diesen Luxus leisten, weil sie nicht nur einen großen Kader, sondern eine große Ausgeglichenheit auf hohem Niveau haben und ihre gute Nachwuchsarbeit immer mehr belohnt wird. „Schließlich haben wir hier viele junge Spieler, die etwas lernen wollen, und auch erfahrene Spieler und einen Trainer, die sie etwas lernen lassen“, sagt Christoph Gawlik. Der gebürtige Bayer ist erst 18, schoss beim 3:0 gegen Nürnberg aber schon sein zwölftes Saisontor. Gawlik ist längst auf den Notizblöcken der Talentspäher aus der National Hockey-League (NHL). Die Scouts aus Nordamerika schauen immer häufiger im Sportforum vorbei, schließlich gibt es dort Spieler mit Zukunft zu sehen. Nicht nur Gawlik oder Busch gehören dazu, sondern auch der laufstarke Richard Mueller und der Kanadier Patrick Jarrett. Mueller hat diese Saison schon 15, Jarrett sieben Treffer erzielt. Dabei wurden die Eisbären belächelt, als sie mitten in der Hauptrunde mit dem damals erst 21-jährigen Jarrett eine Ausländerposition besetzten. Jarrett galt – wie der 23-jährige Mueller – als durchgefallenes Talent.

Auch der Name von Tomas Pöpperle (21) hatte keinen außergewöhnlich guten Klang. Die Eisbären verpflichteten den Ersatztorwart von Sparta Prag trotzdem. Nach guten Leistungen in Berlin wird der junge Tscheche kommende Saison wohl für die Columbus Blue Jackets in der NHL spielen. „Natürlich ist es ein Risiko, mit jungen Spielern zu arbeiten, aber wir werden dafür jetzt belohnt“, sagt Trainer Pagé. „Viele Klubs haben keinen Mut. Sie lassen ihre 18-jährigen deutschen Spieler lieber auf der Tribüne sitzen, wundern sich aber dann, dass die mit 21 keine Leistungsträger sind.“ So sieht es wohl aus, die Nürnberg Ice Tigers waren im Sportforum der spielende Beweis dafür: Die Fraktion der einstigen Talente um Verteidiger Felix Petermann (bald 22 Jahre alt) spielte am Dienstag brav mit – mehr nicht.

Den Eisbären sollte ihre breite Ausgeglichenheit nach den letzten Hauptrundenspielen in Hannover am Freitag und am Sonntag gegen Düsseldorf in den am Mittwoch beginnenden Play-offs nicht schaden, der Titelverteidiger ist der Favorit im Kampf um den deutschen Meistertitel. „Ich glaube, dass wir ganz gut im Rennen um die Meisterschaft aussehen werden“, sagt denn auch Stürmer Gawlik.

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