Die Zukunft von Diego und Mesut Özil : Stars in der Schleife

Wolfsburg will Diego aus Italien zurückholen. Doch der Transfer gestaltet sich kompliziert. Und auch der Wechsel von Mesut Özil zu Real Madrid kann noch scheitern.

von und
Diego soll in Turin nicht glücklich sein, was ihn nicht leichter transferierbar macht.
Diego soll in Turin nicht glücklich sein, was ihn nicht leichter transferierbar macht.Foto: ddp

„Ich kommentiere keine Namen und Gerüchte“, sagt Dieter Hoeneß, der Vorsitzende der Geschäftsführung des VfL Wolfsburg. Ja, man wolle sich noch verstärken. Richtig, Geld für weitere Neuzugänge sei vorhanden. Falsch sei es aber, daraus zu schließen, dass der seit Tagen kolportierte Wechsel von Diego zu den Niedersachsen für eine Ablösesumme von weniger als 20 Millionen Euro nur noch eine Formsache sei.

Dass der VfL einen torgefährlichen Spielgestalter wie Diego gut gebrauchen könnte, steht außer Frage. Zvjezdan Misimovic, der eigentlich für diese Rolle eingeplant ist, möchte die Wolfsburger unbedingt verlassen. „Ich habe hier noch keinen Diego gesehen. Alles andere sehen wir dann“, sagt der Bosnier, der immer wieder mit dem FC Schalke 04 in Verbindung gebracht wird. Misimovic war am Sonntagabend, als sich die Wolfsburger in der ersten Pokalrunde zu einem 2:1-Erfolg beim Viertligisten Preußen Münster gemüht haben, nach einer enttäuschenden Leistung ausgetauscht worden. Auf Diego angesprochen, ließ er sich nur ein paar Floskeln und ein Grinsen entlocken.

Warum sich VfL-Manager Hoeneß so schwer damit tut, öffentlich über seine Vorliebe für Diego zu sprechen, dürfte an der Komplexität eines solchen Transfers liegen. Vor der vergangenen Saison hatte sich auch der FC Bayern München um den ehemaligen Leistungsträger von Werder Bremen bemüht – und nach äußerst zähen Verhandlungen entnervt aufgegeben.

Diego war im vergangenen Sommer für 25 Millionen Euro von Werder zu Juventus Turin transferiert worden, soll dort aber nicht glücklich sein. Trotzdem weiß in Wolfsburg niemand so richtig, wie man mit dem Techtelmechtel von Hoeneß und Juventus umgehen soll. Die Kommunikationsabteilung des VfL ist angewiesen, nichts zu kommunizieren. Und Hoeneß windet sich wie ein Aal, wenn er darauf angesprochen wird, ob Diego vielleicht sogar schon am Freitag zum Saisonauftakt gegen den FC Bayern München eingesetzt wird.

Bei einer Dienstreise nach Turin war Dieter Hoeneß von Fotografen abgelichtet worden, als er aus einem Auto stieg und zu Verhandlungen aufbrach. „Ich kann das leider nicht mehr leugnen. Aber mit wem ich gesprochen habe und warum, dazu gebe ich keinen Kommentar ab“, sagt Hoeneß und wirkt angesichts des Themas leicht genervt. Vor allem der mediale Boulevard, auf dem die Wolfsburger mit einer Verpflichtung von Diego ordentlich punkten könnten, erhöht den Druck auf Hoeneß Tag für Tag.

Im Fall Mesut Özil drängt die Zeit

Ob Mesut Özil das vermissen wird? Unerkannt an einem gepflegten Rasenplatz des TSV Ganderkesee zu stehen und mit seiner Lebensgefährtin zuzusehen, wie sich deren Sohn beim Fußball vergnügt. Ob der 21-Jährige solch ein Refugium auch bei Real Madrid vorfindet?

Quo vadis, Mesut Özil? Sein Wechsel zu Real Madrid ist unsicher.
Quo vadis, Mesut Özil? Sein Wechsel zu Real Madrid ist unsicher.Foto: dpa

Özil hat offenbar ein lukratives wie langfristiges Vertragsangebot der Spanier vorliegen. Das Jahresgehalt soll fünf Millionen Euro betragen. Obwohl Trainer Thomas Schaaf dem Nationalspieler rät, noch ein oder zwei Jahre in der grün-weißen Wohlfühloase zu verbringen, drängt Özil, dessen Vertrag in einem Jahr ausläuft, nun auf einen Wechsel. „Wenn man so ein Angebot hat, möchte man es gerne annehmen“, sagte die Bremer Nummer elf nach dem DFB-Pokalspiel in Ahlen. Seine Statements wirken wie auswendig gelernt.

Strippenzieher im Hintergrund ist Özils gewiefter Agent Reza Fazeli. Das spanische Blatt „Marca“ berichtet bereits, die Real-Verantwortlichen hätten sich mit Fazeli auf die Grundzüge eines Millionen-Vertrages verständigt. Für den Spielerberater und den Spieler dürfte ebenfalls noch Honorar und Handgeld in siebenstelliger Höhe drin sein. Über die Ablöse wird man sich verständigen: Das erste Real-Gebot, die Rede war von neun Millionen Euro, lehnte Werder entrüstet hat. Angeblich fordert Werder mindestens 16 Millionen. „Wir haben Spieler wie Diego und Miroslav Klose ins große Geschäft gebracht. Das gilt auch für Özil. Und das muss von dem neuen Klub auch honoriert werden“, verlangt Vorstandschef Klaus Allofs.

Eine Einigung bei 14, 15 Millionen scheint wahrscheinlich. Die Zeit drängt: Am Mittwoch bestreiten die Bremer ihr Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Sampdoria Genua. Wird Özil in der höchsten europäischen Spielklasse eingesetzt, wäre er für einen neuen Arbeitgeber gesperrt. „Wenn Mesut noch nicht bei einem anderen Verein ist, dann wird er spielen, zu hundert Prozent“, sagte Allofs. Damit könnte der Transfer noch scheitern. Meldungen, dass Real ein verbessertes Angebot abgegeben habe, widersprach Allofs.

Wirtschaftlich wird der Wechsel vermutlich ein gutes Geschäft für alle Seiten – die Frage ist nur, ob Özil damit auch sportlich vorankommt. Bei Real Madrid hießen seine Konkurrenten im Mittelfeld Cristiano Ronaldo, Angel di Maria, Rafael van der Vaart, Sergio Canales und der derzeit verletzte Kaka – wer sich da nicht durchsetzt, sitzt schnell auf der Tribüne.

Vielleicht wird Mesut Özil dann an die Zeit zurückdenken, in der er unerkannt, aber glücklich in Ganderkesee stand.

0 Kommentare

Neuester Kommentar