Die Zukunft von Hertha BSC : Es war einmal ist zu wenig

Hertha kann sich selbst retten, immerhin sind noch viele Punkte in dieser Saison zu vergeben. Vielleicht aber ist das Problem viel grundsätzlicher. Was wäre, wenn die Stärke des Trainers gar nicht mehr funktioniert?

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Zwei Generationen auf einer Bank. Trainer Otto Rehhagel (links) und Herthas Manager Michael Preetz.
Zwei Generationen auf einer Bank. Trainer Otto Rehhagel (links) und Herthas Manager Michael Preetz.Foto: dapd

Es ist ja so. Verliert Hertha BSC am Samstag gegen Werder Bremen, dann passiert – gar nichts. Es sind dann immer noch zehn Spieltage und maximal 30 Punkte zu vergeben. Nein, wenn Hertha gegen Bremen nicht gewinnt, ist noch nichts verloren, der Abstieg steht doch dann noch nicht fest!

So kann man das sehen, und die Verantwortlichen des Klubs müssen das selbstverständlich auch so sehen. Aber wenn man ehrlich ist, dann stimmt das gar nicht, dass nichts passieren würde. Im Gegenteil. Es könnte etwas zu Tage treten, was womöglich schon begonnen hat und bis zum Ende der Saison nicht mehr zu kitten ist: ein immer größer werdender Riss zwischen Mannschaft und allen anderen Verantwortlichen einschließlich des neuen Trainers. Misstrauen ist nicht gut im Abstiegskampf.

Wäre es nicht verständlich, wenn es in dieser Mannschaft ein großes, ja womöglich übergroßes Unverständnis gäbe über das, was in den vergangenen Monaten passiert ist? Sich aufs Sportliche konzentrieren, alles andere ausblenden, na klar, darum geht es, aber auch Profis, die viel Geld verdienen, denken manchmal nach über ihre Situation und ziehen Schlüsse.

Was wäre, wenn die Stärke des Trainers gar nicht mehr funktioniert? Otto Rehhagel hat bewiesen, dass er aus Spielern eine Wagenburg zimmern, einen Kampfverband aufs Feld schicken und, nun ja, strategisch überraschen kann. Aber als er das bewiesen hat, da existierte ein anderes Fußballspiel, eine andere Spielergeneration, es war eine Zeit, in der die Hierarchie alles war und der Einzelne in ihr nichts. Es war die Zeit der „agressive Leader“, und einer der aggressivsten war Otto Rehhagel. Es war einmal. Das ist zu wenig.

Wie kommt im Hier und Jetzt dieser Spielergeneration das Anekdotische an, mit dem Rehhagel kokettiert und womöglich überspielt, dass auch er keinen Matchplan hat? Was denkt so ein Stürmer, wenn der Trainer beim Schusstraining für jeden Treffer gönnerhaft humorvoll zehn Euro aussetzt? Vielleicht gibt es ja diesen einen Plan, von dem wir nichts wissen, und mit dem die Mannschaft heute alle überrascht.
Ansonsten passiert erst mal wenig, es wird nur enger: für Michael Preetz.

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