Sport : Die Zukunft zaubert leise

Wie sich die jungen Stürmer Robinho und Adriano gemeinsam für die brasilianische WM-Elf empfehlen

Robert Ide[Leipzig]

Welch eine Ruhe von ihm ausgeht: Fast regungslos steht der Fußballer da, schaut zum Boden, dann in die Ferne. An seiner Hand tickt leise eine Uhr. Robinho übertönt sie nur leicht, als er flüstert: „Ich möchte meinen Spielern für die Unterstützung danken.“ Das passiert nach dem Spiel.

Welch eine Unruhe von ihm ausgeht: Mit tausenden Regungen tänzelt er, schaut unablässig seine Konkurrenten an, dann geht der Blick in die Ferne. Dort hinten, am linken Strafraumrand, narrt sein Mitspieler Gilberto zwei seiner Gegner, dann gibt er den Ball straff in die Tornähe, Robinho tritt an, sein rechter Fuß greift ins Spiel ein, da hängt der Ball im Netz. Das passiert im Spiel.

So sieht die Zukunft des brasilianischen Fußballs aus: im richtigen Moment zurückhaltend, im richtigen Moment ungestüm – und jung. Ohne Robinho, 21, hätte das Team des Weltmeisters das Duell im Confed-Cup gegen Europameister Griechenland nicht mit einer derartigen Brillianz dominiert und schließlich 3:0 für sich entschieden. Denn der Stürmer vom FC Santos schoss das zweite Tor in einem anregend anmutigen Spiel. Gemeinsam mit seinem 23 Jahre alten Sturmpartner Adriano, der mit einem fulminanten Schuss den Sieg einleitete, übertölpelte er ein ums andere Mal die griechische Abwehr und riss die 42506 Zuschauer im neuen Leipziger Zentralstadion zu Beifallsstürmen hin. Fünf Mal schoss Robinho in Richtung Tor, Adriano drei Mal. Das war mehr als die gesamte griechische Mannschaft.

Für Trainer beginnt die Arbeit in solchen Fällen nach dem Abpfiff. „Robinho ist jung, er hat noch seinen Weg vor sich“, mahnte Carlos Alberto Parreira, während sich der Gelobte die Medaille für den besten Spieler des Abends umhing. Niemand weiß wohl besser als der weltgewandte brasilianische Nationalcoach, wie wichtig es ist, die Leistung aufstrebender Stars durch Gelassenheit zu konservieren. Dass seine neuen Stürmer in Abwesenheit des urlaubenden Ronaldo brillierten, stellt Parreira vor die Frage, „wer künftig meine beiden Angreifer sind“, wie er zugab. Dabei lachte er.

Längst haben die brasilianischen Medien vor allem Robinho zum neuen Nationalhelden auserkoren. Nach dem Spiel stürzten sich Heerscharen aufgeregter Radioreporter mit bunten Mikrofonen auf ihn und schrien ihm Fragen zu – live übertragen in die Heimat. Verwundern kann das nicht: einerseits, weil Robinho dem Ball durch Streicheln wundersame Wege in Richtung Tor vorgibt; zum anderen wohl auch, weil Robinho sich in Santos nach oben gedribbelt hat, beim Verein von Pelé. Vielleicht könnte bald Real Madrid seine Freude an ihm haben.

Brasilien bereichert die Welt mit immer neuen genialen Fußballern. Adriano, der Abwehrspielern wenig Zeit zum Nachdenken und Hinterherlaufen gewährt, beeindruckte an Robinhos Seite. Er wird verehrt, seit er Torschützenkönig der letzten Copa America wurde. In Leipzig ließ er sich auch von einer Grätsche des griechischen Verteidigers Sotirios Kyrgiakos nicht stoppen. Er hielt den Ball weiter am Fuß, bevor er ihn fast ansatzlos aus 20 Metern ins Tor schoss.

Schon zuvor hatte Adriano oft als Erster den freien Raum erspäht und erobert, in den der diesmal nur solide Künstler Ronaldinho und sein engagierter Kollege Kaka die Bälle dirigierten. Nach dem Spiel gab sich Adriano trotz seiner bisherigen Einsätze an der Seite von Ronaldo bescheiden: „Ich muss noch viel tun, um mir einen Stammplatz im Team zu sichern.“ Bei Inter Mailand, das er gegen den AS Rom mit zwei Toren im Hinspiel zum italienischen Pokalsieg geschossen hat, ist er längst Teil der Elite. Kürzlich hat der FC Chelsea ein Angebot für ihn vorgelegt; Höhe: 96 Millionen Euro.

Vor der WM hat Parreira das Luxusproblem eines Überangebots erstklassiger Offensivspieler. „Das sind Kopfschmerzen, die ich ertragen kann“, sagt der Trainer. Für die Gegner im Confed-Cup dürfte die Zukunft des brasilianischen Fußballs schwerer zu verkraften sein.

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