Sport : Die Zuversicht hält sich in Grenzen

Deutsche Ruderer zeigen in Luzern noch Defizite.

Luzern - Bereits 300 Meter vor dem Ziel drosselte Marcel Hacker das Tempo. Dank des großen Vorsprungs auf den Kubaner Angel Fournier Rodgriguez und den Niederländer Roel Braas konnte der deutsche Skiff-Meister am Samstag Kräfte für den Endlauf sparen. Mit dem überraschend deutlichen Erfolg im Halbfinale des Ruder-Weltcups auf dem Luzerner Rotsee untermauerte der 36 Jahre alte Routinier seinen Anspruch auf einen Podestplatz. „Das hat er souverän gelöst und damit sein erstes Ziel erreicht“, sagte Marcus Schwarzrock, Cheftrainer des Deutschen Ruderverbandes (DRV).

Auch die restliche DRV-Flotte blieb bei der WM-Generalprobe im Soll. Insgesamt acht Boote sind am Sonntag in den Endläufen der 14 olympischen Klassen dabei. „Das entspricht in etwa den Erwartungen“, kommentierte Schwarzrock. Doch ihm schwant, dass bis zum Saisonhöhepunkt Ende August in Südkorea auf alle Beteiligten noch viel Arbeit wartet. Die Zuversicht des Cheftrainers für die Finalläufe am Sonntag hält sich in Grenzen: „Wir haben maximal sechs Medaillenchancen. Wenn es vier Medaillen werden, wäre ich zufrieden.“

Ähnlich nervenstark wie Hacker meisterte der hochgehandelte deutsche Doppelvierer das Halbfinale. Die Olympiasieger um Schlagmann Tim Grohmann aus Dresden gaben den Teams aus Russland und Polen das Nachsehen. Doch im Endlauf wird ein wahrer Kraftakt nötig sein, um die zurzeit extrem starken Kroaten zu bezwingen. Das war vor drei Wochen beim zweiten Weltcup in Eton nicht gelungen. „Am Sonntag müssen wir uns deutlich steigern. Aber es sind noch Reserven vorhanden“, sagte Crew-Mitglied Paul Heinrich aus Rostock.

Schluss- und Höhepunkt der Endläufe wird das Achter-Rennen. Liebend gern würden sich dabei die Briten für die Niederlage vor knapp einem Jahr im Olympia-Finale gegen die deutsche Crew revanchieren. Siegchancen werden zudem den Amerikanern eingeräumt, die am Freitag mit der schnellsten Vorlaufzeit überrascht hatten. „Das wird eine echte Standortbestimmung für die WM“, befand Schlagmann Eric Johannesen aus Hamburg.

Sieht man jedoch von den DRV-Trümpfen ab, sind im nacholympischen Jahr Defizite unverkennbar. Vor allem die Schwächen im leichten Männer-Bereich und bei den Riemen-Ruderinnen bereiten Schwarzrock Kopfzerbrechen. Aus diesen Bootsklassen ist nur der Frauen-Achter im Rotsee-Finale dabei, gilt aber nach seinem fünften Rang am Samstag im sogenannten Bahnverteilungsrennen als Außenseiter. dpa

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