• Die zweite Chance des Bernd Ullrich Umstrittener Schiri soll DHB-Nachwuchs fördern

Sport : Die zweite Chance des Bernd Ullrich Umstrittener Schiri soll DHB-Nachwuchs fördern

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Berlin - Es gibt so Tage, an denen die Vergangenheit plötzlich wieder gegenwärtig ist. Das dürfte auch Bernd Ullrich in dieser Woche bewusst geworden sein. Knapp zwei Jahre lang war der Ende 2009 wegen Manipulationsvorwürfen zurückgetretene Handballschiedsrichter von der Bildfläche verschwunden – nun kehrt Ullrich überraschend zurück. Künftig soll sich der Magdeburger beim Deutschen Handballbund (DHB) um die Entwicklung des Schiedsrichternachwuchses kümmern. „Er hat seine Strafe verbüßt und verdient jetzt eine zweite Chance“, sagte DHB-Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß dem Tagesspiegel.

Der Fall von Bernd Ullrich und seinem Kollegen Frank Lemme war 2009 ein Skandal im internationalen Handball. Das Gespann, das seinerzeit zu den besten der Welt zählte, hatte drei Jahre lang verheimlicht, im April 2006 auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo mit 50 000 Dollar im Handgepäck aufgegriffen worden zu sein. Am Tag vor ihrer Festnahme hatten Ullrich/Lemme das Finalrückspiel im Europapokal der Pokalsieger zwischen Medwedi Tschechow und Valladolid geleitet, das die Moskauer nach einem Sieben-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel noch für sich entschieden hatten – angeblich, weil das deutsche Duo bestochen wurde. Lemme und Ullrich bestritten die Vorwürfe, wurden aber von der European Handball Federation (EHF) für fünf Jahre gesperrt und traten 2009 schließlich auch als Bundesliga-Schiedsrichter zurück. Bis heute wurden beide nicht rechtskräftig verurteilt.

„Deshalb gilt auch die Unschuldsvermutung“, sagt Holger Kaiser, Manager der SG Flensburg-Handewitt. „Insofern halte ich die Entscheidung des DHB, wieder mit Bernd Ullrich zusammenzuarbeiten, für absolut tragbar.“ Ob es sonderlich glücklich anmutet, den umstrittenen Schiedsrichter zur Förderung des Nachwuchses einzusetzen, stellt Kaiser allerdings in Frage. „Das ist schon eine ungewöhnliche Entscheidung – so ungewöhnlich wie der ganze Fall.“ Das sieht Peter Rauchfuß naturgemäß anders. „Ich finde es schade, dass diese Debatte überhaupt geführt wird und hoffe, dass endlich mal Ruhe einkehrt.“ Christoph Dach

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