Sport : Die zweite Chance

Bei Arsenal London versucht Jens Lehmann erneut, sich international durchzusetzen

Richard Leipold

Dortmund. Als am Samstagmittag doch ein Anrufer zu ihm durchdrang, zeigte sich Jens Lehmann so kurz angebunden wie immer, wenn es ihm gerade nicht passt. „Keine Zeit, keine Zeit“, sagte er. Und schon war die Verbindung unterbrochen. An seinem letzten Arbeitstag als Angestellter des Bundesligaklubs Borussia Dortmund hatte Lehmann wirklich keine Muße für längere Gespräche. Er musste Koffer packen. Schon an diesem Sonntag stößt der Torhüter zu seinen neuen Mannschaftskollegen von Arsenal London, die sich in Österreich auf die neue Saison vorbereiten.

Während Dortmund sich zurückhielt und auf noch fehlende Formalitäten hinwies, gab der englische Spitzenklub den Wechsel auf seiner Homepage im Internet bekannt. Lehmann erhält bei den „Gunners“ einen Vertrag bis 2006, der ihm angeblich ein Jahresgehalt von knapp drei Millionen Euro garantiert. Der sechzehnmalige deutsche Nationalspieler wird Nachfolger des 39 Jahre alten David Seaman, der bei Arsenal keinen neuen Vertrag erhielt. Nach Agenturberichten liegt die Ablösesumme, bis zuletzt Hauptstreitpunkt zwischen den beiden Klubs, bei knapp 3,5 Millionen Euro. Neben dem Geld bekommen die Dortmunder auch einen neuen Torwart: Guillaume Warmuz, die bisherige Nummer zwei des FC Arsenal. Wie Dortmunds Geschäftsführer Michael Meier mitteilte, wechselt der 33 Jahre alte Franzose ablösefrei, da sein Vertrag ausgelaufen sei. Warmuz ist auch in Dortmund als Ersatzmann vorgesehen. „Er wird unsere Nummer zwei“, sagte Sportdirektor Michael Zorc.

Der Stammplatz ist für Roman Weidenfeller reserviert. Der 22-Jährige hatte sich zuletzt einen erbitterten Kampf mit Lehmann geliefert. Da die Rivalität zwischen den beiden über das Sportliche hinausging, hatte Weidenfeller vorhergesagt, mit ihm und Lehmann im selben Klub werde es „nicht lange gut gehen“. Der Klub werde sich irgendwann für einen der beiden Torhüter entscheiden müssen. Dass die Entscheidung so schnell fallen würde, überraschte auch Weidenfeller. Er hatte sich vorgenommen, bis zur Winterpause abzuwarten.

Der Wechsel im Dortmunder Tor stellt alle Beteiligten zufrieden: Lehmann ist seinen ehrgeizigen, weitaus jüngeren Widersacher los und verbessert sich obendrein noch ein wenig, was Rang und Namen seines Arbeitgebers angeht. Weidenfeller ist am Ziel seiner Träume, und Warmuz hat wieder einen Job bei einem angesehenen Verein. Arsenal bekommt einen Schlussmann von internationaler Klasse; im Tor der Dortmunder herrschen wieder klare Verhältnisse, und der Klub bekommt dafür auch noch eine Menge Geld.

Lehmann ließ über die Webseite seines neuen Arbeitgebers bekannt geben, er sei sehr froh, sich mit Arsenal geeinigt zu haben. „Ich hoffe, dass ich den Klub und seine Fans nicht enttäuschen werde.“ In Dortmund hatte er sich zwar als schärfster Konkurrent des Nationaltorhüters Oliver Kahn etabliert, aber das Verhältnis zu seinem Klub blieb dienstlich. Beim Publikum war Lehmann wegen seiner Leistung geachtet, aber als früherer Spieler von Schalke 04 nicht beliebt. Der Wechsel nach London bietet ihm die Chance, doch noch die Fußballwelt zu erobern.

Sein erster Versuch war gescheitert. Beim AC Mailand hatte Lehmann sich nicht durchsetzen können; nach sechs Monaten kehrte er frustriert nach Deutschland zurück. Das soll sich nicht wiederholen. Der gereifte, aber immer noch unbeherrschte Torhüter erhält eine zweite Chance. „Er ist ein erfahrener und intelligenter Spieler, der uns weiter voranbringen wird“, sagt Arsenals Cheftrainer Arsene Wenger. Nur eins muss dieser dem Münsterländer noch beibringen: Contenance. Aus Dortmund hat sich Lehmann mit einer Roten Karte verabschiedet.

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