Sport : Die zweite Chance

Youri Ziffzer kämpft um den Platz im Eisbären-Tor

Claus Vetter

Berlin - Youri Ziffzer freut sich. „Endlich ist die Vorbereitung vorbei, endlich kommt meine Chance“, sagt er. Der oft ein wenig verträumt wirkende Blick im Gesicht des jungen Mannes täuscht, dahinter verbirgt sich die Entschlossenheit, mit der er mit nur 20 Jahren erster Torwart bei den Eisbären werden will. Heute beim ersten Berliner Saisonspiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in Krefeld steht Ziffzer im Tor.

Ziffzer, die Zweite also: Vergangene Saison gingen die Eisbären mit zwei 19 Jahre alten Torhütern in die Saison. Doch weder Ziffzer noch Daniar Dshunussow setzten sich durch, Ende Oktober wurde der Tscheche Tomas Pöpperle verpflichtet, danach sank die Gegentorquote bei den Berlinern. Für Ziffzer lief es weniger gut: Er wurde für zwei Spiele an die Hamburg Freezers ausgeliehen, ansonsten spielte er vor allem in der Oberligamannschaft der Eisbären. Inzwischen ist Ziffzer aber nach hartem Sommertraining „ein Jahr weiter“, wie er meint. Am 17. April wurden die Eisbären Meister, seit dem 22. Mai trainiert er wieder – mit vollem Ehrgeiz. „In diesem Punkt habe ich viel vom Pöpperle gelernt.“ Der ist nach Columbus in die nordamerikanische Profiliga NHL gewechselt, Torwarttrainer Josef Dusek aber ist den Berlinern treu geblieben. „Er hat mir klargemacht, worum es nun für mich geht.“ Der Tscheche hat Fortschritte bei Ziffzer festgestellt. Des Torwarts Positionsspiel sei besser geworden. „Früher war Youri zu wild, hat mit seinen Bewegungen übertrieben“, sagt Dusek. „Das Einzige, was ihm noch fehlt, ist die Erfahrung.“

Die soll Ziffzer ab heute sammeln. Sein Trainer Pierre Pagé glaubt: „Youri hat sich verbessert, weil er nun den Druck fühlt.“ Denn wenn er nicht so pariere wie gewünscht, dann komme eben ein anderer Torhüter. Reden kann der 1,87 Meter große junge Mann jedenfalls schon wie ein Alter. „Zwei Titel verpflichten“, sagt er. „Wir Eisbären sind Meisterschaftsfavorit.“ Auch wenn neben Pöpperle Spieler wie die Verteidiger Derrick Walser und Micki Dupont sowie Stürmer Denis Pederson fehlen? Ziffzer holt aus. „Natürlich haben wir vier Abgänge, die schwer wiegen.“ Er stockt. „Na, nehmen wir den Pöpperle mal weg, bei meiner Rechnung darf der ja nicht dabei sein.“ Denn der soll ja durch Ziffzer ersetzt werden.

Das wird Vater Stefan freuen, der bis 2004 Präsident beim Eishockey-Oberligisten EHC Klostersee war, dem Heimatklub von Youri, dessen Heimat München ist, obwohl er in Singapur geboren wurde. Sein Vater arbeitete dort. An München hängt Youri Ziffzers Herz noch, wenn es um seine zweitliebste Sportart geht. „Ich bin Fan vom FC Bayern.“ Wie soll das gehen? Seit April ist der Vater Geschäftsführer vom Fußball-Zweitligisten 1860 München. Jetzt will der Sohn angeblich „zur Hälfte auch 60-Fan“ sein. Der Vater hat es da einfacher, wenn es um Eishockey geht. Da ist Stefan Ziffzer Anhänger der Eisbären – erst recht, wenn sein Sohn dort den Durchbruch schafft.

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