Sport : Die zweite Wahrheit

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Der Tabelle an sich ist bekanntlich jede Form der Lüge fremd. In der Fußball-Bundesliga weist sie Werder Bremen aus als die derzeit fünftbeste Mannschaft. Das ist immerhin doppelt so gut wie in der vergangenen Saison, als es nicht ganz für einen einstelligen Platz reichte. Auf europäischem Niveau entspricht das in etwa der Strahlkraft von Klubs wie Cagliari Calcio, Sporting Gijon oder Birmingham City.

So viel zur Mathematik, im aktuellen Fall zu den elf Punkten, die der SV Werder hinter dem FC Bayern liegt, weswegen es mit der Meisterschaft mal wieder nichts werden wird. Kein Wunder, wenn man zweimal gegen Eintracht Frankfurt verliert und zu Hause kein Tor schießt gegen eine Schießbude namens Hannover. Macht nichts. Die Bremer können es sich als einzige Mannschaft westlich von Wladiwostok leisten, der Meisterschaft den Status eines lästigen Beiprogramms zu geben. Entscheidend ist nicht nur auf dem Platz, entscheidend ist der K.o.

Die Faszination Werder liegt darin, die Bestform immer in einmaligen Alles- oder-nichts-Spielen abzurufen. Gern auch, wenn das Fernsehen zur besten Abendsendezeit live überträgt. Am Dienstag sind die Bremer mal wieder ins deutsche Pokalfinale eingezogen, zum neunten Mal seit 1989. Und wenn Werder scheitert, dann scheitert Werder grandios. Schön anzuschauen beim letztjährigen Uefa-Cup-Finale in Istanbul oder vor einer Woche, als ein 4:4 gegen den FC Valencia zwar das dramatischste Spiel des Jahres war, aber eben zu wenig für ein Weiterkommen in der Europa League.

Werder Bremen zeigt, dass es eine Wahrheit jenseits der Tabelle gibt. Was übrigens sehr tröstend ist für das führende Berliner Fußballunternehmen.

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