Sport : Die Zweitstimme des Trainers

Wie ein neuer Teammanager den Teamchef der Nationalelf entlasten soll

Friedhard Teuffel

Berlin – Eine Doppelspitze hatte sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erst vor wenigen Tagen erschaffen und aus einem Präsidenten kurzerhand zwei gemacht. Jetzt will der Verband auch die Führung der Nationalmannschaft aufteilen, und zwar in einen Teamchef und einen Teammanager.

Wer Teammanager wird, steht schon so gut wie fest, aber noch nicht, was Oliver Bierhoff in seiner neuen Funktion alles tun soll. Ein bisschen überraschend ist außerdem, dass der DFB nach wie vor einen Teammanager haben will. Denn ursprünglich sollte dieser Posten zur Entlastung eines Bundestrainers aus dem Ausland geschaffen werden. Der Niederländer Guus Hiddink und der Däne Morten Olsen, die beide Bundestrainer-Kandidaten waren, hätten bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit von einem Teammanager unterstützt werden sollen.

Nun soll jedoch Jürgen Klinsmann Teamchef werden, und mit seiner gewandten Art hat er im Grunde keine Hilfe bei der Außendarstellung nötig. Zwischenzeitlich erschien der Ruf nach einem Teammanager wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für den zurückgetretenen Teamchef Rudi Völler. Der populäre Völler sollte dem DFB auf diese Weise nicht verloren gehen.

Modelle mit einem Teamchef gibt es in anderen Ländern nicht, nur in Bundesliga-Vereinen. Bei Bayer Leverkusen wurde zum Beispiel Jürgen Kohler als Bindeglied zwischen Vereinsführung und Mannschaft eingestellt. Ganz ausgefüllt hat ihn diese Position jedoch nicht, sonst hätte er nicht weggewollt.

Auch die Struktur des DFB hat bisher keine organisatorischen Lücken offen gelassen. Es gibt bei dem Fußball-Verband eine eigene „Direktion Teammanagement“. Ihr Leiter Bernd Pfaff bucht nicht nur Hotels bei Länderspielen und Trainingslagern, sondern hält auch Kontakte zu Vereinen. Trotzdem wird nun wohl ein neuer Manager eingestellt, und das wäre nicht passiert, wenn die deutsche Mannschaft zuletzt erfolgreicher gespielt hätte und Deutschland außerdem nicht in zwei Jahren Gastgeber der Weltmeisterschaft wäre. Der DFB begründet nun die neue Stelle mit den steigenden Anforderungen bis zur WM 2006.

Intern heißt es, dass der DFB als Gastgeber deutlich mehr Verpflichtungen gegenüber Sponsoren habe. Bei solchen Terminen könnte nicht immer der Teamchef die Nationalmannschaft repräsentieren. „Bisher hat sich alles auf Völler konzentriert. Er musste überallhin und auch dann halbstündige Pressekonferenzen geben, wenn es eigentlich nichts zu verkünden gab“, sagt ein Mitarbeiter des DFB.

Oliver Bierhoffs Aufgabe ist sowieso keine Vollbeschäftigung, denn der ehemalige Nationalspieler hatte erst kürzlich gesagt, dass er sich bis 2006 schon als Berater mehrerer Firmen verpflichtet habe und weiterhin bei Sat 1 als Ko-Kommentator bei Spielen der Champions League arbeiten werde.

Den Bundesligavereinen erfüllt der DFB mit seiner Personalplanung nicht unbedingt einen lang gehegten Wunsch, obwohl der Verband behauptet, dass die Klubs den Wunsch nach einem Ansprechpartner in der Nationalmannschaft geäußert hätten. „Wir haben bisher alles bilateral mit dem Teamchef klären können. Er war für uns immer erreichbar“, sagt beispielsweise Borussia Dortmunds Manager Michael Meier. Die Lösung des DFB will er dennoch nicht kritisieren: „Wir sollten froh sein und sagen: Das ist es endlich. Es sollte jetzt einen Solidarisierungseffekt mit den neuen Leuten geben. Sie haben sich bereit erklärt und dafür unseren Respekt verdient.“

Gemeinsam sollen sich der Teamchef und der Teammanager in Zukunft auch um eine Reform der Strukturen innerhalb des DFB kümmern, von der Nachwuchsförderung bis hin zum besseren Erscheinungsbild des Verbandes. Vielleicht zählt dazu die Vereinheitlichung der Führungsstruktur. Das wären keinen guten Aussichten für die Doppelspitzen.

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