Sport : Diener zweier Herren

Bogdan Wenta war deutscher Handball-Nationalspieler und trainiert heute den SC Magdeburg sowie die polnische Nationalmannschaft

Hartmut Moheit

Berlin - Zwischen großer Bewunderung und kleinen Gehässigkeiten können die Grenzen fließend sein. Vor allem dann, wenn der gerade noch euphorisch Gefeierte plötzlich zum Gegner wird. Wie im Falle des Magdeburger Handball-Torwarts Johannes Bitter, über den sein Trainer Bogdan Wenta sagt: „Wenn der in der deutschen Nationalmannschaft auch so hält wie zuletzt beim Sieg in Lemgo, dann nehme ich ihm das sehr übel.“ Hintergrund dieser Geschichte, die Wenta mit einem Schmunzeln erzählt, sind die zwei Länderspiele zwischen Deutschland und Polen am kommenden Wochenende in Kielce. Dann wird Wenta als Trainer der Polen darauf erpicht sein, dass Bitter die eine oder andere Schwäche zeigt.

Mit Karol Bielecki, Grzegorz Tkaczyk und Bartosz Jurecki sollen ihm drei Spieler die Bälle nur so um die Ohren werfen, die ebenfalls für Magdeburg in der Bundesliga spielen. „Das vergessen wir jetzt mal alles, ich freue mich, die Deutschen in Polen zu diesen zwei Vergleichen zu haben“, sagt Bogdan Wenta. Wenta wurde 1961 in Danzig geboren, er galt mal als Ausnahmehandballer und bestritt 180 Länderspiele für Polen – und danach 46 für Deutschland. Als er im Sommer 1995 zum TuS Nettelstedt in die Bundesliga gewechselt war, bemühte er sich bald um eine Einbürgerung. Das klappte problemlos und schnell: Wenta konnte deutsche Großeltern nachweisen.

Dass Deutschland und Polen bei der Handball-WM im Januar 2007 in einer Vorrunden-Gruppe spielen, ist für ihn „zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt kein Problem. Beide Mannschaften werden viel ausprobieren, und lieber verliere ich jetzt gegen Deutschland, als mich an Siegen gegen ein zweitklassiges Team zu ergötzen.“ Bei der EM vor acht Monaten in der Schweiz hatte es ein 32:24 für Deutschland gegeben.

Die ohnehin schon lange geplanten Länderspiele standen nach der Auslosung der WM-Gruppen in Berlin nicht in Frage. Das ist auch auf das gute Verhältnis zwischen Bundestrainer Heiner Brand und Bogdan Wenta zurückzuführen. Als Wenta in die deutsche Nationalmannschaft berufen wurde, war Brand schon Bundestrainer. „Von ihm habe ich viel gelernt, aber nur die Nationalmannschaft zu trainieren, wie er es zurzeit noch tut, wäre mir zu wenig“, sagt der 44-Jährige.

Sein Beispiel, drei seiner Nationalspieler in der Klubmannschaft trainieren zu können, hält er für ideal: „Heutzutage kommt es doch in erster Linie auf die Physis an. Kraft, Tempo und Athletik entscheiden über das Niveau, in der Taktik hat sich kaum etwas geändert.“ Bei dem polnischen Trio in Magdeburg kann er viel selbst steuern, über den Zustand der anderen polnischen Nationalspieler wird er regelmäßig per Paketpost informiert. „Vom polnischen Verband bekomme ich nach jedem Spieltag eine komplette DVD-Sammlung aller Spiele. Ich finde dann schon, was ich brauche“, erzählt Wenta. Das Video-Studium ist für ihn unverzichtbar.

In Magdeburg hält man auf den neuen Trainer große Stücke, und auch der Aufschwung der polnischen Nationalmannschaft wird seinem Wirken zugeschrieben. „Ich gebe etwas zurück“, sagt Wenta, „in den Jahren, als ich für Deutschland gespielt habe, wurde ich in Polen manchmal schon als Verräter angesehen.“

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