Sport : "Diese Mannschaft verdient Respekt"

SEBASTIAN ARLT

Warum bei den Play-off-Spielen zwischen Alba und Barcelona von Hochzeit gesprochen wirdVON SEBASTIAN ARLT Mailand.Was hat die Hochzeit von Sascha Obradovic mit dem FC Barcelona zu tun? Ganz einfach, am Rande der Play-off-Achtelfinalspiele in der Europaliga zwischen den Basketballern von Alba Berlin und den Katalanen kann der Alba-Spielmacher schon mal Details der großen Fete abklären, die sich an die Trauung mit seiner Herzdame Sladjana am 10.Juli in Belgrad anschließen soll.Die Post wird dann in der Edel-Diskothek "XL" abgehen - und deren Besitzer heißt Aleksandar Djordjevic, Spielmacher und Star des FC Barcelona.Obradovic und Djordjevic, die gemeinsam mit der jugoslawischen Nationalmannschaft 1995 Europameister wurden und 1996 hinter dem US-"Dream-Team" Silber gewannen, werden also ein ganz spezielles Thema haben, wenn sich Alba (Zweiter Gruppe E) und Barcelona (Dritter Gruppe H) nach dem Modus "best of three" gegenüberstehen. Am 6.März (Vorverkauf ab 1.März) spielt man zuerst in der Max-Schmeling-Halle, am 11.März in Barcelona, sollte dann jedes Team einmal gewonnen haben, fällt die Entscheidung am 13.März - wieder in Berlin."Barcelona hat das beste Ausländer-Duo von allen Teams in Europa", meinte Marko Pesic, der beim 91:80 (45:49)-Erfolg der Berliner im letzten Zwischenrundenspiel bei Stefanel Mailand hinter Wendell Alexis (20 Punkte) und Sascha Obradovic (19) mit 16 Punkten drittbester Berliner Werfer war.Pesic sprach damit eben auf Djordjevic und den Litauer Arturas Karnisovas an, die beiden herausragenden Akteure aus Barcelona.Die Katalanen standen im vergangenen Jahr im Finale des Wettbewerbes und unterlagen Panathinaikos Athen mit 66:67.Schon 1984, 1990 und 1991 waren sie im Endspiel gescheitert.Der FC Barcelona gewann außerdem 1985 und 1986 den Cup der Cupsieger sowie 1987 den Korac-Cup.Wahrlich gute Referenzen.Seit Djordjevic nach einem kurzen Intermezzo in der NBA (Portland Trail Blazers) nach Europa zurückgekehrt ist und die Spanier verstärkt, geht es nach einem schlechten Saisonstart kontinuierlich bergauf. Doch Alba Berlin scheint keine Mannschaft fürchten zu müssen."Wenn wir richtig spielen", sagt Trainer Svetislav Pesic, "können wir in Europa jedes Team schlagen." Und man habe ja den Vorteil, eventuell zweimal in Berlin spielen zu können.Heimvorteil? "Es ist nicht unbedingt ein Vorteil, zuerst zu Hause zu spielen", schränkt Marko Pesic jedoch ein."Da ist der Druck dann natürlich sehr groß." Doch inzwischen hat man gelernt, großem Druck standzuhalten. "Barcelona kann kommen", so lautete jedenfalls schon einmal die Parole von Obradovic, der am Donnerstag abend in Mailand die Fäden zumeist fest in der Hand hielt und sich jeglicher Mätzchen enthielt.Klar, daß die "Albatrosse" nach dem Coup von Mailand sehr zufrieden waren.Henning Harnisch grinste übers ganze Gesicht, die Schweißperlen rannen ihm wenige Minuten nach dem Spiel immer noch vom kahlgeschorenen Schädel, auf dem die ersten Haarstoppeln sich allerdings partout nicht mehr aufhalten lassen."Souverän, im Stile einer Klassemannschaft", kommentierte er in staatstragendem Ton und schaute dabei herausfordernd zu den ihn umringenden Journalisten.Eine gute Überschrift? So in etwa konnte er sich die Schlagzeile vorstellen nach dem Sieg gegen Stefanel.Zwar nicht immer souverän (zeitweise lag man mit sieben Zählern zurück), aber am Ende wirklich im Stile einer Klassemannschaft hatte Alba die Aufgabe beim Italienischen Meister gelöst. Achtelfinale: Alba Berlin spielt sehr gut mit im Konzert der Großen in der Europaliga.Dabei hatte man es auf dem Weg unter die letzten 16 wahrlich nicht einfach gehabt.Man muß sich nur die Vorrundengruppe anschauen, in der Alba hatte spielen müssen.Von Charleroi abgesehen, haben sämtliche fünf Klubs (Teamsystem Bologna, Estudiantes Madrid, Olympiakos Piräus, Cibona Zagreb und eben Alba) das Achtelfinale erreicht, was für die Stärke dieser Vereine spricht.Und in der Zwischenrunde mit Maccabi Tel Aviv, ZSKA Moskau und Stefanel Mailand wurde es nicht gerade leichter."Um so höher ist es zu bewerten, daß wir den zweiten Platz aus eigener Kraft geschafft haben", meinte Alba-Trainer Svetislav Pesic zu Recht. Aufgrund des Sieges von Maccabi über Piräus hätten sich die Berliner sogar eine Niederlage in Italien leisten können, um Zweiter zu werden.Mitte der zweiten Halbzeit hatte sich die Neuigkeit bis zu Pesic und Manager Marco Baldi herumgesprochen.Baldi: "Die Spieler wußten allerdings von nichts." Sie wollten unbedingt gewinnen vor dem nicht einmal 2000 Köpfe zählenden "Opern-Publikum" in Mailand, das eigentlich erst so richtig in der Schlußphase aufwachte, als Stefanel, das bereits als Gruppenerster festgestanden hatte, für kurze Zeit noch am Alba-Erfolg rüttelte."Alba war routiniert und hat die Ruhe bewahrt", lobte Mailands Trainer Francesco Marcelletti, der nach dem Wechsel Gregor Fucka wegen Rückenproblemen zumeist auf der Bank ließ.Was den Sieg von Alba nicht schmälert, schließlich mußten die Berliner auf Henrik Rödl verzichten.Und auch Sascha Hupmann mußte in der zweiten Hälfte einige nicht eingeplante Pausen einlegen, nachdem er sich etwas das Knie verdreht hatte. Mancher brauchte etwas länger, um alles so richtig begreifen zu können.Mehrere Male rechnete Baldi auf der Busfahrt von der Halle "Forum di Assago" zum Mannschaftshotel laut nach: "Haben wir bisher wirklich zehn Siege und nur sechs Niederlagen auf dem Konto?" Schier unglaublich, aber wahr.Svetislav Pesic faßte es in einem Satz zusammen: "Diese Mannschaft verdient Respekt."

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