Sport : Diesmal ohne Tränen

Freiwasserschwimmerin ANGELA MAURER verpasst als Fünfte wieder knapp eine Medaille – die Ungarin Eva Risztov siegt im Hyde Park.

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Heimvorteil für Enten. Angela Maurer schwimmt im Serpentine Lake. Foto: dapd
Heimvorteil für Enten. Angela Maurer schwimmt im Serpentine Lake. Foto: dapdFoto: dapd

London - Haley Anderson, die US-Amerikanerin, zog mächtig an. Mit kraftvollen Zügen machte sie sich aus der Verfolgergruppe auf den Weg, um Eva Risztov abzufangen. Deren Kopf ragte 15 Meter vor ihr aus dem Wasser, sie lag in Führung, ihr fehlten vielleicht noch 500 Meter bis zur Goldmedaille.

Haley Anderson war lange in der Gruppe, in der auch Angela Maurer kämpfte. Die Gruppe lag ein paar Körperlängen hinter der Ungarin Risztov, es war die kleine Gruppe, in der es wohl um Silber und Bronze im Freiwasserschwimmen über zehn Kilometer gehen würde. So sah es jedenfalls aus. Aber dann ging es nur noch um Bronze, weil die anderen beiden vorneweg waren. Und da konnte Angela Maurer einfach nicht mehr mithalten. Die EM-Dritte von 2010 über diese Distanz schlug gestern als Fünfte gegen das Zielbrett. Gold gewann nach einem dramatischen Finish Risztov, hauchdünn vor Anderson. Bronze ging an die Italienerin Martina di Grimaldi.

Platz fünf, mehr war einfach nicht drin für Angela Maurer. „Ich hatte keine Kraft mehr, ich konnte nichts mehr zulegen.“ 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking hatte sie über diese Distanz noch knapp Bronze verpasst und danach geheult. Gestern war sie durchaus zufrieden. „Ich bin mit meinem fünften Platz sehr glücklich“, sagte Maurer. „Ich habe alles gegeben.“ Doch schon an der letzten Boje hatte sie gemerkt, dass es schwer wird. „Ich dachte, ich komm’ noch mal ein bisschen ran, aber es ging nicht schneller. Am Ende hat mir die Kraft gefehlt.“

Das Wasser im Serpentine Lake im Hyde Park war rund 22 Grad warm, also durchaus angenehm. „Es war auf jeden Fall wärmer als gestern beim Training“, sagte Maurer. Kaltes Wasser wird zum Problem. „Durch die Kälte empfindet man ziemlich abrupt eine bleierne Müdigkeit.“ Gestern fiel ihr eher die Wasserqualität auf. „Es war ziemlich viel Entenkacke drin.“

Andererseits, ziemlich unüblich für ein Freiwasserrennen, „gab es kein Hauen und Stechen“. Na ja, zumindest war es nicht so stark wie sonst. „Die Kampfrichter haben ziemlich oft verwarnt, da haben sich alle zusammengerissen“, sagte Maurer. „Ich wurde ja selber verwarnt, ich habe mich ein bisschen mit der Australierin beharkt.“ Mit Melissa Gorman, die lange auch in der großen Führungsgruppe war, die es auf den ersten Runden gegeben hatte. Irgendwann aber löste sich Risztov, und die anderen achteten nur darauf, dass die Ungarin nicht zu weit wegzog.

Am Ende hatte Angela Maurer „alles gegeben“. Und das war ja nicht wenig. Immerhin „habe ich gezeigt, dass ich immer noch mit den Besten mithalten kann.“ Sie ist jetzt 37, sie war die Älteste im Feld. Risztov ist zehn Jahre jünger. Frank Bachner

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