Sport : Dieter Baumann: Urteil kommt erst heute

Der sportgerichtliche Endkampf im Fall Dieter Baumann wird zum Etappenrennen. Einen Tag vor Eröffnung der Olympischen Spiele wurde die Verhandlung um sein Startrecht vor dem Schiedsgericht des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) in Sydney nach gut drei Stunden auf den heutigen Freitag vertagt. Kommentarlos verließen die Vertreter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und Baumann-Anwalt Michael Lehner den Verhandlungsort, um den Medien zunächst mit eiligen Schritten zu entkommen. Als "Schattenmann" erwies sich der 35-jährige Langläufer im sonnigen Sydney: Er war zwar nach kurzem Zwischenstopp im Trainingslager in Brisbane in die Olympia-Stadt gekommen, blieb aber erstmal noch im Verborgenen.

Wie aus der Sitzung des unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einer Anwaltskanzlei tagenden Arbitration Panels durchsickerte, ging es zunächst um die Grundsatzfrage: Ist das von der IAAF angestrengte Verfahren gegen den DLV überhaupt rechtmäßig? Der deutsche Verband bezweifelt dies, da der betroffene Athlet formal nicht Teil des Verfahrens ist. Allein der DLV muss dafür gerade stehen, dass sein Rechtsausschuss Baumann am 13. Juli vom Doping-Verdacht freigesprochen hat. So oder so: Der 5000-m-Olympiasieger aus Tübingen wird noch einige Tage auf eine Entscheidung des Gremiums unter dem Vorsitz des Indonesen Lin Kok Loh warten müssen. Erst am Montag soll der Richterspruch publik gemacht werden.

"Wir haben unseren Standpunkt dargestellt, dass der DLV konsequent die Regeln der IAAF befolgt hat und unseren Zweifel dargestellt, dass das Verfahren als rechtmäßig definiert werden kann", berichtete DLV-Präsident Helmut Digel nach der Verhandlung. Er war zusammen mit DLV-Rechtswart Clemens Prokop, einem australischen Anwalt und Baumann-Rechtsbeistand Michael Lehner zum Sitzungsgebäude gekommen. "In fünf Minuten bin ich wieder da", rief Lehner beim Eintreffen den wartenden Journalisten noch kurz und jovial zu. Eine etwas zu optimistische Ankündigung wie sich zeigte. Währenddessen wartete Baumann in einem nahen Hotelzimmer auf Interna aus der Verhandlung. Er ist von dem IAAF-Gremium eingeladen worden, aber nicht verpflichtet, anwesend zu sein.

Dass er nun nicht erschienen ist, obwohl der Schwabe selbst per Einstweiliger Verfügung beim Landgericht Stuttgart seine Anhörung erstritten hat, ist offenbar Strategie gewesen. Mit der Abwesenheit unterstrich Baumann seinen Standpunkt, dass es grundsätzlich nicht rechtens von der IAAF ist, über Athleten ohne Anhörung zu richten. Da die drei IAAF-Richter die Verhandlung heute fortsetzen wollen, könnte die Taktik nicht aufgegangen sein.

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