Sport : Dieter Baumann: Verband in der Klemme

Jörg Wenig

Dieter Baumanns Lauf durch die Instanzen der Sport- und Zivilgerichtsbarkeit birgt immer wieder Überraschungen und sorgt für einen Zwiespalt in der Führungsetage des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Wie in Teilen der gestrigen Auflage berichtet, hat der 36-jährige 5000-m-Olympiasieger von 1992 ein Startrecht für die Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten am Wochenende in Dortmund erwirkt. Der Vorsitzende des Rechtsausschusses des DLV, Wolfgang Schoeppe, entschied nach einem Eilantrag Baumanns, dass der Läufer über 3000 m an den Start gehen darf. Ob der Tübinger tatsächlich laufen wird, ist jedoch noch unklar.

"Ich wünsche mir, dass jeder erst die Begründung von Herrn Schoeppe liest, bevor er darüber urteilt", sagte Helmut Digel dem Tagesspiegel. Der Präsident des DLV war gestern in Monte Carlo und führte Gespräche mit dem IAAF-Präsidenten Lamine Diack. "Dabei ging es jedoch nicht um den Fall Baumann", sagte Digel. Der DLV-Rechtsausschuss hatte nach zwei positiven Dopingproben, bei denen Nandrolon nachgewiesen worden war, Baumann im vergangenen Sommer überraschend freigesprochen. Der internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) sperrte den Athleten jedoch bis zum 21. Januar 2002. "Juristisch stecken wir hier schon längst in einem Dilemma. Deswegen hatte ich mich dafür eingesetzt, die Rechtslage zu klären", sagte Helmut Digel. Dafür hatte Digel jedoch keine Mehrheit in seinem Präsidium gefunden. Kontra zu Digel ging in erster Linie sein designierter Nachfolger, Clemens Prokop. Der Vizepräsident erklärte gestern zu seinem Beschluss mit der DLV-Spitze, den Start Baumanns in Dortmund abzulehnen und den Fall nochmals vom Rechtsausschuss prüfen zu lassen, gegenüber dem Sportinformationsdienst: "Tritt der schlimmste Fall ein, und der Beschluss wird durch den Rechtsausschuss aufrechterhalten, haben wir das Problem, dass wir eine Verpflichtung verletzten müssen. Entweder die gegenüber dem Ausschuss oder die gegenüber der IAAF." Digel, der die Zwickmühle "für unauflöslich" hält, wollte den DLV-Beschluss nicht kommentieren und sagte nur: "Ich bin überrascht, dass das schon öffentlich diskutiert wird."

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