Sport : „Dieter Hoeneß ist ein Juwel“

Hertha BSC spricht dem Trainer das Vertrauen aus – um den Manager zu stützen

Stefan Hermanns,Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Es kommt nicht oft vor, dass eine Pressekonferenz ohne die eigentliche Hauptperson beginnt. Dieter Hoeneß, der Manager von Hertha BSC, und Rupert Scholz, der Aufsichtsratsvorsitzende des Berliner Fußball-Bundesligisten, schienen auf solche Formalitäten gestern keine Rücksicht zu nehmen. Um kurz nach halb zwölf traten sie vor die Presse, um noch einmal öffentlich das einstimmige Vertrauensvotum des Beteiligungsausschusses für Trainer Falko Götz zu verkünden. Götz selbst fehlte: Er stand mit seinen Spielern noch auf dem Trainingsplatz. Doch ziemlich schnell wurde offenbar, dass der Trainer gar nicht die Hauptperson war. Es ging vor allem um Dieter Hoeneß. Hertha hat Götz das Vertrauen ausgesprochen – um Hoeneß zu stützen.

„Das, was in den letzten Wochen in Berlin gegen Dieter Hoeneß gelaufen ist, ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel“, sagte Scholz. Schon in seiner schriftlichen Erklärung hatte der Beteiligungsausschuss die Kritik der Fans (im offiziellen Hertha- Sprachgebrauch „so genannte Fans“) an Hoeneß für wichtiger erachtet als die Verabschiedung eines mittelfristigen Finanzierungskonzepts, das dem mit 35 Millionen Euro verschuldeten Verein laut Scholz in den nächsten fünf Jahren gesicherte Verhältnisse beschert und „zu einer deutlichen Verringerung unserer Verbindlichkeiten“ führt. „Die Talsohle ist durchschritten“, sagte Hoeneß.

Scholz bezeichnete Hoeneß als „Vater der Entwicklung“ bei Hertha, nicht von ungefähr habe man seinen Vertrag bis 2010 verlängert. „Genau genommen haben wir mit ihm ein Juwel“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, „und dieses Juwel pflegen wir.“ Scholz betrieb mit seinen fast penetranten Schmeicheleien genau den Personenkult, den viele Fans kritisieren und den Scholz dementierte. Dass der Beteiligungsausschuss als Aufsichtsgremium in die Entscheidung über den Trainer eingebunden war, sei „ein Stück der Führungskultur in unserem Verein“. Dem steht der Eindruck der Fans entgegen, dass Hoeneß alle relevanten Entscheidungen allein trifft. Aus diesem Grund hat sich die Wut über die aktuelle sportliche Misere vor allem gegen den Manager gerichtet.

„Es scheint vielen Spaß zu machen, auf diese Kritik einzugehen“, sagte Hoeneß. Er gab zu, dass ihn „diese versuchte Demontage schon sehr verletzt hat. Wenn mir irgendjemand sagt, er sei Herthaner und ich nicht, dann lach ich mich kaputt“. Der Beteiligungsausschuss kündigte an, unqualifizierte Angriffe auf die Geschäftsführung zu unterbinden. Die Blockade vor den Ehrenlogen nach der Niederlage gegen Köln nannte der Strafrechtsprofessor Scholz eine Nötigung, so etwas dürfe sich nicht wiederholen. Die Anti-Hoeneß-Bekundungen bezeichnete er als Diffamierung, Beleidigung und Verleumdung. Nach diesem Maßstab müsste Hertha allerdings auch gegen den bei den Fans besonders beliebten Gesang „Hängt den Schiri ans Brandenburger Tor!“ einschreiten, bei dem es sich dann um eine Anstiftung zum Mord handeln würde.

Hertha verstärkte gestern auf dem Vereinsgelände die Ordnungskräfte, weil es Gerüchte um eine Fandemonstration gegeben hatte. Außerdem wurde das Fanforum auf Herthas Internetseite abgeschaltet. Michael Preetz, Assistent der Geschäftsführung, klagte in einer Erklärung über „Beleidigungen, Beschimpfungen und üble Nachrede“ sowie über „methodische und konstante Stimmungsmache“. Michael Dötsch, einer von zwei ehrenamtlichen Betreibern des Forums, hält die Entscheidung für „sehr vorschnell“ und befürchtet „nur noch mehr Unmut“.

Eine Deeskalation ist auf diese Weise nur schwer zu erreichen. Zu einer echten Entspannung können wohl nur positive Ergebnisse der Mannschaft beitragen. „Der Erfolg wird kommen“, sagte Hoeneß. „Er wird aber nicht von den nächsten Spielen abhängen.“ Am Samstag spielt Hertha beim Tabellenzweiten Werder Bremen, da ist es nicht selbstverständlich, dass die Serie von 13 Pflichtspielen ohne Sieg ein Ende nimmt. Die Entscheidung für Götz soll daher als eine langfristige verstanden werden. „Wir verfolgen mit Götz ein Konzept“, sagte Scholz. „Dafür ist er der richtige Mann.“

Das Konzept ist aus der finanziellen Not geboren und zwingt Götz, auf absehbare Zeit mit vielen jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu arbeiten. Auch im Sommer wird kein Geld für Neuverpflichtungen zur Verfügung stehen, es sei denn, Hertha erwirtschaftet Transfererlöse, die dann wieder investiert werden sollen. „Zwei, drei Jahre werden wir brauchen, bis wir wieder ganz vorne angreifen können“, sagte Scholz. Falko Götz ist zuversichtlich, diesen Aufschwung noch an entscheidender Stelle mitgestalten zu dürfen: „Auch mit meiner Person sind solche Erfolge schon erarbeitet worden.“

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