Sport : Digel kündigt Gang vor die IAAF an, sollte Baumann Erfolg haben

Jörg Wenig

Dieter Baumann verbreitet Optimismus, beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) blickt man skeptisch auf den heutigen Prozesstag. Vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt / Main geht der 5000-m-Olympiasieger von 1992 heute in die Revision, nachdem sein Antrag auf eine einstweilige Verfügung vor dem Landgericht Darmstadt keinen Erfolg hatte. Der seit rund sechs Monaten suspendierte Baumann steht unter Dopingverdacht und versucht nun, vor einem ordentlichen Gericht sein Startrecht zu erkämpfen. "Ich gehe sehr wohl davon aus, dass es ein gutes Ende gibt", sagte Baumann gegenüber dpa. Bei den Deutschen 10 000-m-Meisterschaften am 27. Mai in Troisdorf will der Läufer starten und sich für die Olympischen Spiele in Sydney qualifizieren. Die Frage wird bei der heutigen Verhandlung auch sein, ob das Oberlandesgericht die Rechtmäßigkeit der Suspendierung verhandelt oder einen kurzen Prozess macht. Denn laut Athletenvereinbarung mit dem DLV dürfte Baumann erst vor ein ordentliches Gericht gehen, wenn der Weg der Sportgerichtsbarkeit abgeschlossen ist. Trotzdem ging man gestern in DLV-Kreisen davon aus, dass über die Suspendierung verhandelt wird.

Bei Dieter Baumann waren im Herbst 1999 zweimal hintereinander nach Dopingproben unzulässig hohe Testosteronwerte im Urin nachgewiesen worden. Der Läufer, der daraufhin vom DLV suspendiert wurde, beteuert seine Unschuld und verweist auf zwei mit Nandrolon verunreinigte Zahnpastatuben. Dafür gibt es jedoch bis heute keine Beweise. Die Staatsanwaltschaft Tübingen hat währenddessen ihre Ermittlungen in Sachen Zahnpasta-Manipulation fast abgeschlossen. Im Anschluss daran wird der Rechtsausschuss des Deutschen Leichtathletik-Verbandes über eine mögliche Zwei-Jahres-Sperre entscheiden. Sollte der Rechtsausschuss Baumann für schuldig befinden, hätte eine erfolgreiche einstweilige Verfügung Baumanns keine Wirkung mehr. Anschließend könnte der Läufer eine mögliche Verurteilung vor dem Schiedsgericht des Deutschen Sportbundes anfechten.

"Wir müssen als DLV-Präsidium jedes Urteil unseres Rechtsausschusses akzeptieren", sagte DLV-Präsident Helmut Digel auf Anfrage gestern dem Tagesspiegel. Digel bezeichnete es "als heikle juristische Problematik", dass sich mit dem Fall Baumann zum jetzigen Zeitpunkt bereits ein ordentliches Gericht befasst, obwohl der Weg der Verbandsgerichtsbarkeit noch nicht abgeschlossen ist. Sollte Baumann mit seiner einstweiligen Verfügung Erfolg haben, hätte der DLV, so Helmut Digel, "auch diese Entscheidung zu akzeptieren". "Allerdings", so Digel weiter, "müsse das DLV-Präsidium den Fall an die IAAF weiterleiten. Für den nationalen Bereich könnte ein Gericht die Suspendierung eines nationalen Verbandes aufheben, nicht jedoch für den internationalen Bereich. Da entscheidet die IAAF." Genau dafür hatte sich der DLV erst vor wenigen Monaten erfolgreich stark gemacht, nachdem beispielsweise die Sprinter Merlene Ottey (Jamaika) und Linford Christie (Großbritannien) von ihren nationalen Verbänden freigesprochen wurden. Beide sind derzeit von der IAAF suspendiert.

Zum wiederholten Mal beklagte Helmut Digel, im Fall Baumann fatal falsch zitiert worden zu sein. Ausgehend von einem heutigen Gerichts-Erfolg Baumanns und einer Olympiaqualifikation über 10 000 m, wurde der Präsident von einer Presseagentur unter anderem mit den Worten zitiert, dies wäre "eine großartige Rehabilitation". Diese und weitere Aussagen, die Zweifel am DLV-Kurs im Fall Baumann aufwerfen würden, dementierte Helmut Digel gegenüber dem Tagesspiegel deutlich.

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