Sport : Diner mit dem Kaiser

Warum Diack IAAF-Präsident bleiben möchte

Friedhard Teuffel

Die Leichtathletik scheint ein richtiger Jungbrunnen zu sein, denn mit seinen 76 Jahren fühlt sich der frühere Weitspringer Lamine Diack noch frisch genug für weitere wichtige Aufgaben. Der Senegalese kann sich vorstellen, sich noch einmal als Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) wiederwählen zu lassen. Seine Amtszeit endet 2011, dann ist er 78. „Wenn es mir gut geht, werde ich weitermachen“, hat er nun in Berlin gesagt.

Dahinter steckt sicher die Erkenntnis, dass das Leben eines IAAF–Präsidenten ein äußerst komfortables ist. „Man wird behandelt wie ein Staatspräsident“, sagt Helmut Digel, der es immerhin mal zum Vizepräsidenten der IAAF gebracht hat und jetzt noch dem Council des Verbandes angehört. Bei den Weltmeisterschaften 2007 in Osaka dinierte Diack mit Japans Kaiser, in Afrika gilt er als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten. Kaum ein Verband ist so über den Erdball verbreitet wie die IAAF mit ihren 213 Mitgliedsverbänden.

Ein Vertrauter Diacks nennt noch einen zweiten Grund, warum er an eine Wiederwahl denkt: die Sorge, wie es danach weitergeht mit dem Verband und der Leichtathletik. „Er möchte alles gut übergeben an einen fähigen Nachfolger.“ Zwei Kandidaten werden immer wieder genannt: Olympiasieger Sergej Bubka aus der Ukraine, der immer noch den Weltrekord im Stabhochsprung hält, und der Brite Sebastian Coe, ebenfalls Olympiasieger, seine Disziplin waren die 1500 Meter.

Bisher habe Diack jedoch nicht den Eindruck, so der Vertraute, dass beide schon reif genug sind. Vielleicht kann Diack aber auch einfach nicht loslassen. Für Coe käme die Wahl 2011 ohnehin etwas früh, denn er wird bis 2012 ausgelastet sein mit den Olympischen Spielen in London, deren Organisationschef er ist. Vielleicht werde Diack daher erklären, noch einmal für ein oder zwei Jahre anzutreten, nicht für die vollständige Wahlperiode von vier Jahren.

Neben Bubka und Coe gibt es aber zwei weitere Kandidaten. Sie kommen beide aus Afrika: die Marokkanerin Mawal El Moutawakel, 1984 Olympiasiegerin über 400 Meter Hürden, und Frank Fredericks aus Namibia, 1993 in Stuttgart Weltmeister über 200 Meter. Als afrikanischer Kandidat könnte einer der beiden tatsächlich Bubka und Coe bei der Abstimmung besiegen. Friedhard Teuffel

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