Sport : Diplomatie im Grenzbereich

Manager Oliver Bierhoff verteidigt den Teamgeist in der Nationalelf und wehrt sich gegen Hoeneß’ Kritik.

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Fehlt nur noch Ballack. Oliver Bierhoff musste am Dienstag einige Wogen glätten – deutliche Worte richtete er vor allem an Uli Hoeneß. Foto: dapd
Fehlt nur noch Ballack. Oliver Bierhoff musste am Dienstag einige Wogen glätten – deutliche Worte richtete er vor allem an Uli...Foto: dapd

Frankfurt am Main - Dem Vernehmen nach steht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gerade vor zwei wichtigen WM-Qualifikationsspielen; Irland (Freitag) und Schweden (nächsten Dienstag in Berlin) heißen die beiden nächsten Gegner, es sind die vielleicht schwersten der Gruppe. Zumindest hatte Oliver Bierhoff das bisher gedacht. Aber als der Manager der Nationalmannschaft dann zu Rede und Antwort bereit stand, ging es nur um außersportliche Themen: um die Kritik von Bastian Schweinsteiger am Teamgeist der Truppe und die Kritik von Uli Hoeneß am Führungsstil des Bundestrainers. „Fehlt eigentlich nur noch Michael Ballack“, sagte Bierhoff.

Sollte dies eine Aufforderung gewesen sein, bei ihm eine offizielle Meinung zu den jüngsten Einlassungen Ballacks einzuholen (siehe Text links), so blieb sie unerhört. Aber Bierhoff hatte auch so genug zu tun, die neuesten diplomatischen Noten unters Volk zu bringen. Im Fall Schweinsteiger lässt sich konstatieren, dass es keinen Fall Schweinsteiger gibt. Spieler und Manager saßen friedlich nebeneinander, für Bierhoff ein Beleg, „dass da keine Probleme bestehen“. Schweinsteiger hatte in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ den guten Geist bei den Bayern gelobt – in klarer Abgrenzung zur Nationalmannschaft: „Das spürst du ja zum Beispiel, wenn ein Tor fällt: Springt da die komplette Bank auf? Bei uns springt sie auf, das ist vielleicht ein kleiner Unterschied zur Nationalmannschaft bei der EM. Da sind nicht immer alle gesprungen.“

Bierhoff widersprach der Deutung, dass es atmosphärische Spannungen gegeben habe: „Der Teamgeist ist intakt.“ Da aber auch Schweinsteiger nichts zurücknahm, verständigte man sich auf die Sprachregelung, es habe unterschiedliche Wahrnehmungen gegeben. Vom Feld – aus Schweinsteigers Perspektive also – hatte es so ausgesehen, als wären nicht alle hochgesprungen; von der Tribüne (Bierhoff) und der Bank (Löw) waren hingegen keine Sitzenbleiber zu erkennen. Schweinsteiger zeigte sich überrascht, „welche Aufmerksamkeit so etwas auf sich zieht“, zumal es ihm nur darum gegangen sei, der Mannschaft zu helfen: „Ich will, dass wir besser werden, dass wir auch das letzte Rad umdrehen können.“

Eine ähnliche Intention unterstellte Bierhoff – mit viel Wohlwollen – auch Bayerns Präsident Uli Hoeneß, der Löw geraten hatte, mehr Druck auszuüben und nicht immer nur auf gute Laune zu machen: „Ständig ging es in der Vorbereitung darum, welche Tischtennisplatte wohin geflogen werden musste, möglichst noch auf den Mont Blanc.“ Zur Sache äußerte sich Bierhoff nicht, nur zum Stil. „Ich persönlich finde es nicht gut, wenn wir Verantwortliche im Fußball uns gegenseitig bewerten“, sagte er. So wie sich die Nationalmannschaft nicht in die Belange der Klubs mische, solle es auch umgekehrt ein. „Aber das bringt uns nicht durcheinander.“ Gravierender fand Bierhoff die Kritik an Miroslav Klose, dem Hoeneß vorgehalten hatte, dass er 80 Prozent seiner Länderspieltore gegen Liechtenstein und Co. erzielt habe, „mindestens!“. Als enttäuschend empfand Bierhoff diese Aussage: „Das klang schon ein bisschen abfällig.“ Stefan Hermanns

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