Dirk Nowitzki: "Der Beste überhaupt" : Tim Duncan: Der Anti-Kobe hört auf

Tim Duncan, einer der besten NBA-Spieler der Geschichte, beendet seine Karriere. Anders als Kobe Bryant geht der 40-Jährige still und leise. Dirk Nowitzki adelt seinen Ex-Rivalen sogar.

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Mit 40 ist Schluss: Tim Duncan beendet nach 19 Profi-Jahren und fünf Meistertiteln mit den San Antonio Spurs seine Karriere.
Mit 40 ist Schluss: Tim Duncan beendet nach 19 Profi-Jahren und fünf Meistertiteln mit den San Antonio Spurs seine Karriere.Foto: dpa

Es gibt diese wunderbare Szene von Tim Duncan, sie spielt vor ziemlich genau zwei Jahren. Duncan sitzt auf einem Podium vor der versammelten US-Öffentlichkeit, gerade hat sein Verein, die San Antonio Spurs, zum fünften Mal die Meisterschaft in der National Basketball Association (NBA) gewonnen, und Duncan war natürlich an allen beteiligt. Deshalb ist es auch sein gutes Recht, diesen außergewöhnlichen Moment mit zwei Ehrengästen zu teilen, die sonst eher selten bei großen Presserunden zugegen sind. Irgendwann übernehmen seine Kinder die Show, ein Sohn und eine Tochter mit umgedrehten Baseball-Kappen auf dem Kopf und frisch gedruckten Meister-Shirts am Leib, und beantworten die Fragen, die ihrem prominenten Herrn Papa gelten. Der Saal johlt, und Papa Duncan stehen fast die Tränen in den Augen. Eigentlich der perfekte Moment, um das Karriereende bekanntzugeben, zumal im fortgeschrittenen Sportleralter von seinerzeit 38 Jahren.

Tim Duncan hat dann doch noch zwei Spielzeiten rangehangen in der besten Basketball-Liga der Welt, getrieben von dem Ehrgeiz, seine ohnehin stolze Titelsammlung zu erweitern. Und obwohl Duncan und sein Verein diese Mission nicht zielführend zu Ende gebracht haben, hat sich beim Alterspräsidenten der Spurs offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, dass er mittlerweile, mit über 40, reinen Gewissens abtreten kann von der ganz großen Basketball-Bühne. Am Montag hat Duncan offiziell seinen Rücktritt vom bezahlten Sport publik gemacht, nach 19 Jahren im selben Verein und fünf Meistertiteln sowie zahlreichen individuellen Auszeichnungen. Damit verliert die NBA nach Kobe Bryant von den Los Angeles zur kommenden Saison einen weiteren Superstar, der die Liga in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten so geprägt und dominiert hat wie wenige andere. Entsprechend euphorisch fielen auch die Lobpreisungen aus.

Power Forward Nowitzi nennt Duncan "den besten Power Forward überhaupt"

„Tim Duncan hat sich einen Platz unter den größten Spielern aller Zeiten verdient“, sagte NBA-Commissioner Adam Silver, „seine Selbstlosigkeit hat ihn zum ultimativen Teamkollegen gemacht.“ Duncans langjähriger Teamkollege, der Argentinier Manu Ginobili, schrieb bei Twitter: „Was für eine Ehre, mit ihm 14 Saisons gespielt zu haben.“ Und Dirk Nowitzki, der in seiner Laufbahn 90 Mal gegen Duncan angetreten ist, erhob ihn kurzerhand zum „besten Power Forward überhaupt“. Das lässt sich auch am Zahlenwerk ablesen: In der Geschichte der NBA haben nur 13 Spieler mehr Punkte erzielt als Duncan, unter anderem eben Nowitzki, und nur ein gutes Dutzend Spieler mehr Meisterschaften gewonnen als der 40-Jährige.

Die Art und Weise, wie sich Duncan in den Sportler-Ruhestand verabschiedet hat, sagt einiges über ihn und sein Wesen aus. Es passierte heimlich, still und leise, in Form einer simplen Mitteilung seines Klubs und mitten in der Sommerpause, also ohne großes Brimborium, obwohl er das zweifelsfrei verdient hätte. Anders als zum Beispiel Kobe Bryant, der sich auf den letzten Metern seiner großen Karriere in jeder Halle, ob nun auswärts oder daheim in Los Angeles, abfeiern ließ. Das Ergebnis seiner Lakers geriet regelmäßig zur Nebensache, und über allem schwebte stets die Frage: Wie hat eigentlich Kobe letzte Nacht gespielt?

Duncan war kein Lautsprecher und ist es auch im Alter nicht geworden, öffentliche Auftritte und Selbstinszenierung wie bei anderen NBA-Superstars waren ihm ebenso fremd wie Skandale und Klatsch. Dafür lieferte er auch bis ins hohe Alter verlässlich Punkte und Rebounds ab und, mindestens genau so wichtig, gab Erfahrungswerte an seine Mannschaftskollegen weiter. In 19 aufeinanderfolgenden Jahren bei den Spurs erreichten Duncan und sein Team immer die Play-offs – noch so ein Rekord, den er mitnehmen wird.

Die Aufnahme in die NBA-Ruhmeshalle ist für den Mann von den amerikanischen Jungferninseln eine Frage der Zeit – und auch sein Trikot mit der Rückennummer 21, das ist sicher, wird bald unter dem Hallendach der Basketball-Arena von San Antonio hängen.

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