Sport : Dirk Nowitzki hat sich bei den Dallas Mavericks zu einer festen Größe entwickelt

Thorsten Schabelon

"Made in Germany" finden die US-Amerikaner derzeit wieder einfach "wunderbar". Das deutsche Supermodel Heidi Klum hat mit dem neuen "Liquid Bra" gerade ihren von den Medien als "Heidis Wunderwaffe" getauften Büstenhalter vorgestellt. Und die Basketballfans im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nehmen wieder immer häufiger den Begriff "German Wunderkind" in den Mund, wenn NBA-Profi Dirk Nowitzki für die Dallas Mavericks auf dem Parkett steht.

"Es ist viel passiert" könnte die an das Titellied einer Fernseh-Vorabendserie angelehnte Schlagzeile für Nowitzkis zweite NBA-Saison lauten. Die Mavericks haben mit dem Internet-Milliardär Mark Cuban einen neuen Besitzer bekommen, Dirk Nowitzki durfte erstmals beim prestigeträchtigen All-Star-Wochenende mitspielen und Paradiesvogel Dennis Rodman absolvierte zur Saisonmitte ein aufsehenerregendes 29-tägiges Intermezzo in Texas. Neben all diesem Trubel hat sich der 21-jährige Würzburger als feste Größe bei seinem Team und in der NBA etabliert und "dabei noch mehr Spaß als im vergangenen Jahr gehabt", weil sein Team erfolgreicher war. Bei 82 absolvierten Saisonspielen stand Nowitzki 79 Mal von Beginn an auf dem Spielfeld. Dabei brachte er es auf durchschnittlich 36 Minuten Spielzeit gegenüber 20 Minuten in der vergangenen Saison. Neben seinem Punkteschnitt, den Nowitzki von 8,2 auf 17,7 verbesserte, pflückte er fast doppelt so viele Rebounds wie in seiner ersten Saison (6,5 gegenüber 3,4). Den "Nowitzki-Blitz" der vergangenen Saison, bei dem er in den letzten zehn Spielen vergleichbare Statistiken erreichte, hielt er in diesem Jahr über 82 Spiele durch.

Bei den Mavericks stieg er hinter Michael Finley zum zweitwichtigsten Spieler des Teams auf. Und als solcher trägt er auch besondere Verantwortung. Bei einem der letzten Saisonspiele gegen die Denver Nuggets durfte Nowitzki als sogenannter "Go-to-Guy" den spielentscheidenden Wurf ansetzen - und traf. Ein Ritterschlag für den Deutschen.

Bis zu einem Meistertitel wird es in Dallas wohl noch einige Jahre dauern. Für die in Kürze startende Play-off-Runde haben sich die Texaner nun schon zum zehnten Mal in Folge nicht qualifizieren können. An entsprechenden Rahmenbedingungen für eine erfolgreichere Zukunft wird derzeit in Dallas gearbeitet. Ab der übernächsten Saison steht den Mavericks zudem eine neue Arena in Dallas zur Verfügung. Der neue Teambesitzer Mark Cuban hat viel Elan in den Klub gebracht. Nach dem bereits vor der Saison angekündigten Rücktritt von Cheftrainer Don Nelson sucht Cuban möglichst einen jungen Nachfolger, der den bestehenden Kader weiter aufbauen soll. Mit Verstärkungen des Spielerkaders sieht es derzeit eher schlecht aus. Bis zur übernächsten Saison lässt der ausgereizte "Salary Cap" (die Gehaltsgrenze) wohl keine Verpflichtungen von teuren Spielern zu. Dann läuft auch Dirk Nowitzkis Vertrag in Dallas aus, und der Deutsche kann entscheiden, ob Dallas mittelfristig das Pontenzial für den ersehnten NBA-Titel besitzt, oder ob er sich woanders versuchen will. Teambesitzer Mark Cuban wünscht sich in jedem Fall, dass Nowitzki "sein ganzes Leben ein Maverick bleibt. Es macht einfach Spaß, ihn um sich zu haben".

Nach dem vorgezogenen Saisonende in der NBA und Urlaub im Mai, geht es für Nowitzki bereits im Juni, wenn die NBA-Play-offs gerade beendet sind, wieder los. Wie im vergangenen Jahr wird er in der "Summer League" spielen, in der sich im Wesentlichen Reservespieler und Rekonvaleszenten in Form bringen. "Die Spielpraxis dort hat mir im vergangenen Jahr sehr viel gebracht", sagt Nowitzki. Ende August und Anfang September hofft Bundestrainer Henrik Dettmann bei sechs Spielen der Nationalmannschaft auf den NBA-Profi. Da kann Dirk Nowitzki, im vergangenen Jahr Leistungsträger beim 7. Platz bei der Europameisterschaft in Frankreich, aber noch keine endgültige Zusage geben. "Ich muss sehen, wie ich mich körperlich fühle."

Absolute Priorität genießt eben die NBA-Karriere. Und bei der hat er in dieser Saison einen großen Schritt vorwärts getan. So hat die lokale Tageszeitung "Dallas Morning News" bereits einige Vorschläge für einen neuen Spitznamen erdacht, denn den Wunderkind-Schuhen ist der Deutsche spätestens seit seinen Erfolgen in dieser Saison entwachsen. "Dunkin Deutschmann", "Bavarian Dream" und "Herr Ball" lauten die wenig überzeugenden Ersatznamen. Obwohl aus Nowitzki bei erfolgreichen Aktionen bisweilen "Dazzling Dirk" auf der überdimensionalen Anzeigetafel der Reunion Arena in Dallas wird, werden die Amerikaner wohl auch zukünftig erst einmal wieder auf das bewährte "German Wunderkind" zurückgreifen müssen. Denn da weiß jeder, wer gemeint ist.Dirk Nowitzki im Internet

www.dirknowitzki.de

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