Dirk Nowitzki : "Ich war traurig, frustriert und wütend"

Basketballstar Nowitzki spricht über seine inhaftierte Ex-Verlobte und will nun doch bei der EM im September in Polen spielen.

Benedikt Voigt[Frankfurt am Main]
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Weiter am Ball. Dirk Nowitzki (hier bei einem Freundschaftsspiel gegen Kanada) will auch bei der EM spielen. Die Frage ist, ob die...

Hinter dem Drehkreuz steht er, der Holger, und hält sich einen blauen Aktendeckel vors Gesicht. Dirk Nowitzki hat die Zuhörer im Eingangsfoyer einer Frankfurter Bank auf seinen an der Seite stehenden Mentor und Manager aufmerksam gemacht, weil er vom Training sprach, das ihn bei Holger Geschwindner wieder erwarten wird. „Das wird schlimm“, sagt der deutsche Basketballstar und schüttelt die blonde Mähne. Laufen im Handstand, Liegestütze – seit 15 Jahren kennt er Geschwindners Methoden. „Ich habe jetzt fünf, sechs Wochen nichts gemacht, ich freue mich auf die Workouts“, sagt er. Auch habe er Lust, im Sommer mit der deutschen Nationalmannschaft in Polen zu spielen. „Warum soll ich nicht schnell noch ein bisschen bei der Europameisterschaft spielen“, sagt er. Ja, warum nicht? Dann wäre wirklich alles wie immer.

Doch dieser Sommer ist anders für Nowitzki. Das drückt bereits die Anwesenheit jenes Mannes aus, der neben Holger Geschwindner steht. Der Anwalt Robert Hart vertritt normalerweise den Besitzer der Dallas Mavericks, Mark Cuban, doch seit einigen Monaten hat er auch mit Nowitzki zu tun. Seine Arbeit begann Anfang des Jahres, als er für den Spieler, der bei den Mavericks jährlich rund 13 Millionen Euro verdient, einen Ehevertrag aufsetzen sollte. Und als dessen Verlobte, die sich Christian Trevino nannte, die nötigen Papiere dafür nicht beibringen wollte. Oder konnte, wie sich später herausstellen sollte.

Eigentlich hatte Dirk Nowitzki vorgehabt, seinen gewohnten Jahresablauf zu ändern, erstmals seit Jahren auf Workout mit Geschwindner und auch Nationalmannschaft zu verzichten – und zu heiraten. „Ein Termin stand noch nicht fest, ich wollte mich nach der NBA-Saison damit beschäftigen“, sagt Nowitzki.

Es ist ganz anders gekommen, und am Dienstag trat Nowitzki erstmals öffentlich in Deutschland auf, seit die Zeitungen über seine private Tragödie berichtet haben. Darüber, dass seine Ex-Verlobte mehrere Namen trug, eigentlich Cristal Taylor heißt und mit zwei Haftbefehlen gesucht wurde. Dass sie von Nowitzkis Anwälten aus der Villa geworfen wurde, inzwischen im Gefängnis sitzt und erklärt, von ihm schwanger zu sein. Dass sein Vater die Frau als Geschmacksverirrung einordnet, er selber sie aber geliebt habe. Kurz, es ist eine peinliche und höchst private Angelegenheit.

Trotzdem sitzt Dirk Nowitzki freundlich und auskunftswillig vor rund 80 Zuhörern. Er berichtet davon, dass sie ihn das erste Mal angeblich versehentlich anrief, von den SMS und E-Mails, die er und seine Ex-Verlobte sich danach drei Jahre lang geschrieben haben, bevor sie sich das erste Mal trafen. Von seiner Entscheidung, zu „probieren, ob da mehr dabei ist“. Vom obligatorischen Hintergrundcheck durch den Sicherheitsbeauftragen der Dallas Mavericks, der unter dem Namen Christian Trevino nichts fand. Und von der Verantwortung für das Kind, der er sich stellen wolle, falls der von ihm angeordnete unabhängige Schwangerschaftstest ergibt, dass die Ex- Verlobte tatsächlich schwanger ist. Und falls eine Untersuchung nach der Geburt beweist, dass er der Vater ist. Für diesen Fall hat er bereits das Sorgerecht beantragt. Das alles erzählt Dirk Nowitzki bereitwillig.

„Am Anfang habe ich die ganze Gefühlspalette durchgemacht“, sagt der 31-Jährige, „ich war abwechselnd traurig, frustriert und wütend.“ Dann urlaubte er mit seiner Schwester Silke auf Kreta, inzwischen gehe es ihm besser. „Ich habe den Rückhalt meiner Familie genossen, jetzt kann ich wieder Spaß machen wie früher.“

Spaß hatte er in der Vergangenheit auch mit seinen Freunden aus der Basketball-Nationalmannschaft gehabt. Nur damit ist zu erklären, warum er entgegen seinem ursprünglichen Vorhaben nun doch bei der Europameisterschaft mitspielen will. Und das, obwohl seine besten Freunde im Team, Mithat Demirel und Zimmerkollege Robert Garrett, ihren Rücktritt erklärt haben. Er müsste wohl ein unerfahrenes deutsches Team leiten, doch das schreckt ihn offenbar nicht ab. Die größte Schwierigkeit wird ohnehin sein, Mavericks-Besitzer Mark Cuban davon zu überzeugen, eine Freigabe für die EM zu erteilen. Zuletzt hatte Nowitzki stets seinen Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen angeführt, doch dieser hat sich im letzten Jahr in Peking erfüllt. Nun peilt er sogar die Spiele 2012 an. Mit der EM haben die Spiele in London allerdings nur wenig zu tun. „Da gehen uns die Argumente aus“, gibt Nowitzki zu.

Eigentlich müsste er Mark Cuban erzählen, wie wichtig gerade jetzt das Basketballfeld für ihn geworden ist. Er könnte ihm erzählen, dass er froh war, die traurigen Informationen über seine Ex-Verlobte während der Play-offs erhalten zu haben. „Da konnte ich mich auf Basketball konzentrieren.“ Er könnte ihm erzählen, dass er in diesem Sommer einfach den Halt im Gewohnten sucht. Um vor bösen Überraschungen geschützt zu sein.

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