Dirk Nowitzki : "Nur der Titel fehlt noch"

Dirk Nowitzki über die aktuelle NBA-Saison, seine Ziele als All-Star und Albas Lucca Staiger.

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Dirk Nowitzki, 31, erzielt in seiner zwölften NBA-Saison für die Dallas Mavericks im Schnitt 25 Punkte, die Texaner haben bisher...X02003

Herr Nowitzki, nach etwas mehr als der Hälfte der NBA-Saison steht Ihr Team in der Western Conference der NBA auf Platz drei, vor einem Jahr waren Sie zum selben Zeitpunkt Siebter. Was macht die Dallas Mavericks 2010 besser als 2009?



Ich glaube, wir sind durch unsere neuen Spieler athletischer geworden und auch besser in der Verteidigung. Obwohl wir in den letzten Wochen Spiele verloren haben, die wir hätten gewinnen müssen. Das war ein bisschen enttäuschend.

Fehlt Ihnen noch die Konstanz?


Ich glaube, wir haben am Anfang der Saison sehr gut verteidigt und viele Spiele im November und Dezember durch unsere Defensive gewonnen. Seit Januar haben wir da ein paar Schritte zurück gemacht. Wenn wir in den Play-offs etwas erreichen wollen, müssen wir wieder dahin zurückkommen, dass wir in der Verteidigung solider sind. In einer langen Saison mit 82 Partien gibt es aber immer Höhen und Tiefen.

Am Sonntag in einer Woche steht das All-Star-Wochenende der NBA in Ihrer amerikanischen Heimatstadt Dallas an, Sie sind zum neunten Mal in Folge dabei. Ist es etwas Besonderes, vor dem eigenen Publikum als All-Star aufzulaufen?


Das All-Star-Wochenende ist immer eine besondere Sache. Mein bestes Erlebnis war mit Sicherheit meine erste Teilnahme – weil es schon immer mein Traum war, dabei zu sein. Michael Jordan hat damals mitgespielt, Shaquille O''Neal, Kevin Garnett und Kobe Bryant – es war unglaublich schön, mit denen in der Umkleidekabine zu sitzen. Dieses Jahr kommt da fast heran, weil das Spiel in Dallas stattfindet, also in der Stadt, wo ich seit elf, zwölf Jahren spiele und wohne und mich sehr, sehr wohlfühle. Dazu kommt, dass es in der neuen Arena des Football-Teams Dallas Cowboys stattfindet. Wie ich gehört habe, wurden schon fast 90 000 Tickets verkauft. Da wird am Sonntag der nächsten Woche das größte Basketballspiel der Welt stattfinden. Es ist spannend, Teil der Geschichte zu werden.

Wie in den acht Jahren zuvor sind Sie auch dieses Mal nicht von den Fans in die Startaufstellung gewählt worden, sondern wurden von den Coaches als Ersatzspieler nominiert.


Dieses Jahr war ich schon ein bisschen enttäuscht darüber. Es wäre eine schöne Sache gewesen, wenn die Mavericks in Dallas einen Starter dabei gehabt hätten. Es sah während der ersten paar Monate der Abstimmung auch sehr gut aus, sogar bei der letzten Auszählung lag ich noch vor Tim Duncan von den San Antonio Spurs. Erst zwei Tage vor dem Abschluss des Votings hat er mich überholt. Aber dabei sein ist beim All-Star-Game alles, in den letzten Jahren habe ich immer ein super Wochenende erlebt, auch von der Bank aus.

Seit fast einem Jahrzehnt gehören Sie zu den besten Spielern der NBA. Wie wichtig ist Ihnen noch die Meisterschaft, um Ihre Karriere zu krönen?


Es gibt viele Spieler, über die am Ende der Laufbahn gesagt wird: Er hat eine schöne Karriere gehabt – aber. Dieses „aber“ würde ich mir gerne ersparen. Einmal, im Finale gegen Miami 2006, waren wir nah dran, die letzten paar Jahre weniger nah. Der Titel ist eigentlich der einzige Grund für mich, hier noch zu spielen. Individuell habe ich – glaube ich – alles erreicht. Das Einzige, was fehlt, ist die Meisterschaft. Deswegen werde ich bis zum Ende meiner Karriere alles daransetzen. Ich weiß nicht, wie lange ich noch auf dem Niveau spielen kann, vier oder fünf Jahre vielleicht. Mal sehen, wie der Körper mitspielt.

Haben Sie verfolgt, dass Nationalspieler Lucca Staiger sein US-College vor kurzem verlassen hat und zu Alba Berlin gewechselt ist?


Als mich Bundestrainer Dirk Bauermann vor kurzem hier in Dallas besucht hat, hat er mir die Telefonnummer von Lucca und dem zweiten deutschen College-Spieler Elias Harris gegeben und gesagt, ich solle ihnen mal eine SMS schreiben. Ich habe dann aber gar nicht richtig mitbekommen, dass Lucca Iowa State Hals über Kopf verlassen hat. Das hat mich schon überrascht, dass jemand eine Saison mittendrin abbricht. Aber wenn er meint, dass er sich da nicht weiterentwickeln kann, muss er das machen. Ich hoffe, dass er sich in Berlin wohlfühlt und sich verbessert. Dann hat er für sich eine gute Entscheidung getroffen.

Aufgezeichnet von Lars Spannagel.

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