Sport : Diskussion um Spielberechtigungen vor dem Final Four

Dietmar Wenck

Papier ist geduldig. Deshalb wurden viele Briefe geschrieben vor dem Final Four der Basketballer in Frankfurt (Main), der Pokalendrunde der besten vier Mannschaften. Dort trifft heute der Cupverteidiger Alba Berlin auf den Pokalsieger von 1998, Herzogtel Trier. Anschließend wird kurioserweise zwischen den Frankfurt Skyliners und ihrem Kooperationspartner, dem Zweitligisten Rhöndorfer TV, der andere Endspielteilnehmer ermittelt. Doch die Vorfreude auf dieses an sich schöne Ereignis im deutschen Basketball ist getrübt. Alba-Trainer Svetislav Pesic erwartet: "Es wird viel Blabla geben in Frankfurt."

Die Trierer geben sich empört bis verärgert. In der Bundesliga spielen sie seit Wochen mit Malik Ruddigkeit und Derrick Freeman, doch im Pokalwettbewerb sind diese beiden nicht spielberechtigt. Das liegt daran, dass sie erst im Januar verpflichtet worden sind, die ebenfalls im Pokal startenden Zweitligisten (wie Rhöndorf) jedoch nur bis zum 31. Dezember neue Spieler unter Vertrag nehmen durften. Eine Frage der Chancengleichheit mithin, die in den Regularien des Deutschen Basketball Bundes (DBB) festgelegt ist. Hätte beispielsweise Alba seinen US-Amerikaner Terry Dehere nicht Ende 1999 verpflichtet, sondern erst im neuen Jahr, wäre er ebenfalls in Frankfurt nur Zuschauer.

Trotzdem schickten die Verantwortlichen aus Trier Briefe an die Vereinigung der Bundesligisten (BBL), die das Final Four veranstaltet, den Rechtsausschuss, die Spielleitung und gar an den Präsidenten von Alba Berlin. Die Berliner hielten sich während der ganzen Debatte zurück. Aus gutem Grund, wie Vizepräsident Marco Baldi sagt: "Uns ist es doch piepegal, wer da spielt, wir wollen es nur wissen. Auf der anderen Seite gibt es Regularien, an die sich alle halten müssen. Wenn das jetzt das Hauptthema in Frankfurt wird, finde ich das sehr traurig." Es ist im Übrigen nicht nachzuvollziehen, warum diese Diskussionen jetzt ausbrechen. Im Viertelfinale hätte Alba fast in Braunschweig verloren, obwohl die Niedersachsen - den Regularien entsprechend - auf ihren ebenfalls erst im Januar geholten Spieler Steven Key verzichteten. Trier gewann in Wedel, ohne Ruddigkeit und Freeman, ohne zu murren außerdem. Der BBL schließlich sind die Hände gebunden. Das Letzte, was sie sich für das Final Four wünschen könnte, wäre ein Rechtsstreit wegen eingesetzter Spieler, die gar nicht spielberechtigt waren. Die BBL ließ auf Anfrage gestern keinen Zweifel, dass Ruddigkeit und Freeman nicht dabei sind. Es bleibt der Eindruck, dass da der eine oder andere Vereinsfunktionär davon ablenken möchte, sich nicht rechtzeitig über die Regularien informiert zu haben.

Viel Theater also, das man sich hätte sparen können. Die Berliner haben trotzdem und trotz des hohen Erwartungsdrucks eine ruhige Trainingswoche hinter sich. "Wir waren sehr fleißig", sagte gestern vor dem Abflug Spielmacher Vladimir Bogojevic. Er und alle wissen, worum es geht für das beste und teuerste Team in Deutschland: "Jetzt kann man, jetzt will man, jetzt muss man gewinnen." Und dass man Trier nie unterschätzen darf. Obwohl beide Bundesligaspiele von Alba gewonnen wurden - wenn die TVG-Leistungsträger Bernard Thompson und Carl Brown ihren Rhythmus finden, ist mit ihnen nicht zu spaßen. "Es gibt keine Geheimniss", sagt Bogojevic, "auf diese beiden kommt es in erster Linie an."

Rund 400 Berliner Fans werden den Pokalverteidiger in der 5000 Zuschauer fassenden Ballsporthalle unterstützen, berichtete Alba-Manager Carsten Kerner. Insgesamt läuft der Kartenvorverkauf nach Angaben aus der BBL-Geschäftsstelle zufriedenstellend. 3000 Tickets wurden verkauft, in etwa die gleiche Zahl wie im vergangenen Jahr. Allerdings gab es da die Frankfurt Skyliners noch nicht. Sie übernahmen den Bundesligaplatz des Rhöndorfer TV. Heute zeigt B 1 in seiner Sendung "Sport im Osten" ab 16 Uhr eine Zusammenfassung des ersten Halbfinalspiels. Kommt Alba ins Endspiel, überträgt B 1 am Sonntag von 15 Uhr an live. Das Final Four ist morgen sogar acht Minuten lang Thema in der ZDF-Sportreportage. An sich erfreulich, nur wenn davon ein Teil für Randthemen draufginge, wäre es bedauerlich. Fernsehzuschauer sind weniger geduldig als Papier.

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